Ostseekreuzfahrt zum Zarenzauber in St. Petersburg

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© Roman Evgenev - shutterstock.com

Eine Rose zum Empfang, ein roter Teppich zur Gangway: La Vie en Rose. Das ist wie ein Versprechen, dass der Alltag am Kai zurückbleibt. Natürlich ist der Laufsteg fest und wackelt nicht so wie früher. Als hätte man schon Seegang, bevor man an der Reling steht. Oben wartet schon das Begrüßungskomitee der AIDAcara: „Willkommen an Bord!“

Sanddorneis in Warnemünde

® AIDA

Für Früheinchecker ist noch ein Warnemünde-Bummel drin. Entlang des Flusses reihen sich die hübschen Fischer- und Kapitänshäuser des einstigen Fischerdorfes an der Warnow-Mündung. Heute ein Stadtteil von Rostock, hatten es 1323 reiche Rostocker Kaufleute gekauft, um ihren Koggen den ungehinderten Zugang zum Meer zu sichern. Während die Hansestadt mit prächtigen Patrizierhäusern und grandiosen Backsteinkirchen aus der Hansezeit wuchert, hält das Seebad Warnemünde mit etlichen Strandkilometern dagegen. Die Schuhe in der Hand, schlendern wir am Spülsaum und pausieren im Teepott bei Sanddorneis mit Sahne. Die Sonne malt am Horizont ein dramatisches Abendrot, als die letzten Gäste an Bord gehen.

Tallinn mit dem Rad

Erwartungsvoll stehen wir mit einem Drink an der Reling, als sich das Schiff in Bewegung setzt. Am Horizont inszenieren sich Kräne und Werften des modernen Überseehafens. An der Uferpromenade winken uns Giebelhäuser, vertäute Yachten und Kutter vorüber. Historische Speicher lassen die Warenmengen erahnen, die damals gelöscht wurden: Weine aus Frankreich, Speck und Häute aus Schweden, Flachs aus Reval, Wachs und Pelze aus Nowgorod. Auf der Westmole mutet der grüne Leuchtturm von 1897 neben den mächtigen Bordwänden wie ein Zwerg an. „Zipp“ huscht der Lichtstrahl über die Wellen und verschwindet im Dunkeln. Unsere Ostseekreuzfahrt nimmt Kurs auf die offene See, zu den großartigen Haupt- und Hansestädten der Ostsee.

Mare Baltikum hieß früher dieses Meer, das die hansischen Kaufleute befuhren. Ihr Netz war dicht geknüpft, bis nach Russland. Davor liegt noch Tallinn, das einstige Reval. Nach einem Seetag machen wir hier fest. „Estlands Juwel per Rad erkunden“ heißt die Tour, die wir gebucht haben. Tourguide Fredy holt Mountainbikes, Helme, Getränke und Snacks aus dem Schiffsrumpf. Und los! „Gut fünfzig Jahre stand Estland unter russischer Herrschaft“, erklärt Fredy vom Sattel aus. Die Esten empfanden sie als Knechtschaft, weshalb sie ihre Kultur und besonders das Hanse-Erbe pflegen. Das fällt gleich auf, als wir nach nur zehn Minuten das Stadttor in der mittelalterlichen Ringmauer durchradeln, das den Weg in die Altstadt öffnet.

Im Nu stehen wir auf dem Marktplatz vor dem gotischen Rathaus und den Giebelhäusern rundum, halten an der orthodoxen Newskij-Kathedrale, umrunden den Langen Hermann und fahren durchs Grüne zur Ruine des Birgittenklosters. Große Entfernungen zwischen den Sehenswürdigkeiten gibt es nicht.

Gold und Prunk in St. Petersburg

Anders in St. Petersburg, dem Highlight der Kreuzfahrt auf der Ostsee. Die Sonne strahlt, und die Kreuzfahrer strömen früh morgens in Gruppen von Bord. Jeder mit Voucher und Visum für einen der vielen angebotenen Ausflüge in der Tasche. Jeder will den Prunk der alten Zarenstadt sehen, die Geschichte, die russische Seele erleben.

Hinter Grenzposten und Wechselstube warten Busse, die die Gäste in die einstige Haupt- und Lieblingsstadt von Peter dem Großen bringen. Er war derjenige, der sie 1703 gründete, im Mündungsdelta der Newa einfach aus dem Boden stampfte, um ein Kultur- und Wirtschaftszentrum mit einem „Fenster nach Europa“ zu schaffen, eine weltoffene Metropole voller Glanz und Leben. Die heutige 5-Millionen-Stadt ist ein Museum auf 600 Quadratkilometern. „Priwjét!“ Hallo! ruft die Fremdenführerin Galina ihrer Gruppe zu. „Alle müssen zusammenbleiben!“ Sie schleust uns durch die Säle des Katharinenpalastes und das berühmte Bernsteinzimmer. Eilig, eilig, denn es gibt so viel zu sehen. Und bis 17 Uhr muss Galina uns wieder am Kai abliefern. Sie erklärt die orthodoxe Isaaks-Kathedrale, das Winterpalais und den Panzerkreuzer Aurora, weiter zum Marsfeld und zur Auferstehungskirche. Immer nur das Nötigste, denn Morgen ist auch noch ein Tag. Mit den erstandenen Matrioschkapuppen im Koffer, liegen wir nach zwei Hafentagen abends zufrieden im Kabinenbett und freuen uns auf den nächsten Tag.

Szenenwechsel nach Finnland

Beim Aufwachen legt das Schiff in Helsinki an. Gut frühstücken und ab in die finnische Hauptstadt. Wir haben nur einen Tag und viel vor: das klassizistische Stadtbild, die Altstadt, der weiße Empire-Dom, das Design-Museum. Die Stufen des Havis-Amanda-Brunnens sind von Finnen bevölkert. Wir setzen uns dazu und schlendern danach durch den Esplanadenpark. Am Ende kommen wir an der Wanha Kauppahalli, der Markthalle von 1889, nicht vorbei, wo wir geräucherten Lachs und Rentierschinken kaufen. Und auch nicht am Flohmarkt mit Kunstgewerbe im Finn-Design, Clowns und Jazzern. Aber auch so war es ein beeindruckendes Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden.

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Kirsten Fähmel

Als ausgewiesene Kreuzfahrt-Expertin kennt sich Kirsten Fähmel auf den Meeren dieser Welt aus. Ob AIDA, TUI Cruises, Costa oder MSC – zu allen großen Kreuzfahrtveranstaltern auf dem Markt kann sie wertvolle Tipps geben. Für Ihre private Reisen zieht es sie regelmäßig an Bord eines AIDA-Schiffes – und dabei bevorzugt ins Mittelmeer oder den hohen Norden.

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