Grönlandwale & Eisberge

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© LouieLea - shutterstock.com

Dr. Anke Meizies wollte schon immer nach Grönland, fand aber keine Mitstreiter. Als sie einer Freundin davon vorschwärmte, stellte sich heraus, dass beide schon viele Jahre den gleichen Traum träumten. Im August setzten sie ihn in die Tat um und gingen für zwei Wochen an Bord der „Le Boréal“, einem kleinen, feinen Expeditionskreuzer für maximal 264 Gäste auf große Fahrt.

„Einfach nur klasse“ beschreibt Anke Meizies ihre lang ersehnte Grönland-Kreuzfahrt, zu der sie im Sommer dieses Jahres mit ihrer Freundin Britta Wöbber aufbrach. „Wir hatten alles: Ringelrobben, Eisbären mit Babys, Buckel- und Grönlandwale und riesige Eisberge“. Die Anreise erfolgte über Kopenhagen nach Kangerlussuaq, von wo aus üblicherweise Grönland-Kreuzfahrten starten. Ihre Begeisterung fing schon in der Kabine an: Die bodentiefen Panoramaglastüren ihrer Balkonkabine (95 Prozent der Kabinen verfügen über einen Balkon) sollten sich während der Kreuzfahrt als wahrer Segen erweisen, denn es gab fast immer etwas Besonderes zu sehen. Die puristische, moderne Einrichtung des Ponant Schiffs mit viel Rot und Grau kam ihr ebenso entgegen wie die exzellente, französische Küche. Die studierte Ernährungswissenschaftlerin und Biologin, die als Berufsschullehrerin arbeitet, wusste „eigentlich“, was sie essen sollte und was nicht, doch an den schmackhaften Desserts konnte und wollte sie dann doch nicht vorbeischauen. Als Ausgleich gab es zum Glück ein Laufband im Fitnesscenter an Bord. Bis auf das Captains-Dinner zur Begrüßung und zum Abschied konnte man in seiner Expeditionskleidung vom Ausflug sowohl im à la carte- als auch im Buffetrestaurant direkt an seinen Essenstisch gehen, ganz locker und ohne besonderen Dresscode.

Diskobucht

Am Tag nach der Einschiffung machte sich die „Le Boréal“ zur Diskobucht auf. Fischerboote dockten an, nahmen die Gäste an Bord, kreuzten mit ihnen um die Eisberge und fuhren den Buckelwalen hinterher. Die ganze Zeit über herrschten „sommerliche“ Temperaturen zwischen 4 und 10 Grad, und die Sonne gab – abgesehen von einem leicht nebligen Tag – ihr Bestes. Oft war es zu warm für die dicken Expeditionsjacken, doch sobald man längere Zeit auf einem Zodiac unterwegs war, schützten sie angenehm vor Wind und Kälte.

Panoramablick

Eigentlich sollte der kleine Kreuzer am nächsten Tag in einen Fjord einfahren, doch riesige Eisstapel verhinderten das Vorhaben. Hier zeigte sich der Charakter der Expeditionskreuzfahrt: Die Crew hatte stets einen Plan B und auch einen Plan C in der Tasche. Plan B, ein Helikopterrundflug, funktionierte nicht, weil der Hubschrauber nicht landen konnte, also kam Plan C zum Tragen: Die Zodiacs fuhren mit den Gästen an Land, und dann gab es eine gut zweistündige Bergwanderung zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick auf den Fjord und natürlich auch das gestapelte Inland-Eis hatte.

Gletscher-Schönheit

Als der Besuch des Gletschers Egi anstand, war ausnahmsweise kein strahlender Sonnenschein, sondern leichter Nebel. Trotzdem war der Anblick vom Zodiac aus beeindruckend. Die Reise bekam auch dadurch einen ganz besonderen Charakter, dass Nicola, der Leiter der „Naturalists“, also der Naturführer, selbst in einem kleinen Grönlanddorf in einer Hütte lebte und daher über viele Kontakte verfügte. Er war es auch, der vor den Zodiac-Fahrten das Gelände erkundete und die optimalen Anlegestellen fand. An Land sah Anke Meizies zum ersten Mal ein kleines, typisches Grönländer-Dorf. Die Menschen lebten sehr einsam und sammelten um ihre bunten Holzhäuschen alles Erdenkliche an, weil sämtliche Güter vom Holz bis zu Ersatzteilen aufwändig per Schiff oder Hubschrauber herangeschafft werden mussten. Bis zum Alter von 14 Jahren gehen Kinder in die Gesamtschule, den Rest ihrer Schulzeit verbringen sie in einem Internat. Danach verlassen sie oft ihre Heimat, denn es gibt wenig Chancen für eine berufliche Zukunft. Abends folgte an Bord das Galadinner, das erste von zwei Malen, zu dem sich die Münster-anerinnen „aufhübschten“.

Eisgräber und Erdhöhlen

Ein kleiner, abgeschiedener Ort, der vor 70 Jahren von seinen Bewohnern verlassen worden war, gab am nächsten Tag Aufschluss… über die typische, frühere Lebensweise der Menschen aus der Gegend. Erdhöhlen sahen die Expeditionsgäste ebenso wie alte Gräber. Etwas mulmig wurde Anke Meizies, als sie nach unten direkt auf einen Schädel schaute. Jedes Volk hat eben seine eigenen Sitten.

Nicolas Heimat

Die nächste Station landete spontan und nur deshalb auf dem Reiseplan, weil Kullorsuaq Nicolas Heimatort war. Die grönländische Bezeichnung bedeutet übersetzt „Der große Daumen“ und wurde nach dem gleichnamigen, dort zu findenden großen Felsen benannt, der wie ein Daumen aussieht. Viele der gut 400 Einwohner des kleinen Dörfchens hatten ihre selbst hergestellten Souvenirs im Gemeindezentrum zusammengetragen und boten sie zum Verkauf an. Anke Meizies probierte „Mataq“ – auch grönländisches Kaugummi genannt, einen vitaminreichen Snack aus getrockneter Walhaut, über dessen Geschmack sich streiten ließ. Ebenso spontan kamen einige der Grönländer abends in ihrer typischen, perlenbesetzten Tracht und Seehundstiefeln an Bord und musizierten so lange, bis ihnen der Kapitän Einhalt gebot, da die Fahrt weiter gehen sollte. Einer kam noch einmal extra an Bord zurück, um stolz seine Eisbärenhose zu präsentieren. Danach war es höchste Zeit zum Ablegen.

Friedhof der Eisberge

Die Münsteranerinnen waren von dem hohen Niveau der Vorträge an Bord stets begeistert. Es gab einen mitreisenden Glaziologen (Eisexperten), eine Biologin und Walspezialistin sowie einen Ornithologen, die täglich ein bis zwei Vorträge über die Natur Grönlands und Kanadas hielten. Beeindruckt waren sie auch von den Live-Erlebnissen: Weil der Golfstrom viele Eisberge in die Melville-Bucht treibt, gab es dort den so genannten „Friedhof der Eisberge“. Hier reihte sich ein eisiges Wunderwerk der Natur an das nächste – ein staunenswerter Anblick!

Das Land der Inuits

Auf nach Kanada: Pond Inlet bot sich zum Museumsbesuch und zum Souvenirshopping an – kleine Figuren aus Speckstein der Inuits, wie die Ureinwohner heißen. Von dort aus fuhr das Schiff die Küste entlang und bog hier und da in einen der vielen Fjorde ein. Eisbären zeigten sich als fotoreife Motive ebenso wie ein Wal, der das Schiff für eine Weile begleitete. Und dann gab es noch eine Begegnung mit der Hanseatic, dem (Fünf-Sterne) Expeditionskreuzfahrtschiff von Hapag Lloyd Kreuzfahrten. In Isabella Bay wurde eine alte Inuit-Siedlung besichtigt. Während der ganzen Reise kam selbst der Kapitän nicht aus dem Staunen heraus, denn es war seine erste Grönland-Kreuzfahrt.

Grönland-Nachschlag

Die Kanada-Route wurde um einen Tag verkürzt, um noch mehr von Grönland zu sehen. So steuerte der Kapitän das Schiff wieder nach Grönland, und zwar nach Sisimiut, einem Ort, der nördlich von der Ausgangsstation Kangerlussuaq lag. An dem eingelegten Seetag blieb Anke Meizies Zeit für die Bibliothek und genussvolle Aussichten vom Promenadendeck. Sie nahm auch die Gelegenheit wahr, zur Brücke zu gehen, um sich von der Crew erklären zu lassen, wohin die Fahrt ging. Im Gegensatz zu großen Kreuzfahrtschiffen, auf denen der Besuch der Brücke strengstens untersagt ist, war sie hier 24 Stunden für das Publikum geöffnet. Am vorletzten Tag der in Kangerlussuaq
endenden Kreuzfahrt sahen die Reisenden erstmals einen größeren Ort. Das ehemalige Holsteinsborg – heute Sisimiut – mit seinen roten, grünen und blauen Holzhäuschen war sehr gepflegt und verfügte nicht nur über eine Garnelen- und Fisch-fabrik, die besichtigt werden konnte, sondern auch über Souvenirläden mit allen erdenklichen Mitbringseln: kleine Raben und Eisbärenfiguren aus Karibu-Horn, Pulswärmer mit eingearbeiteten Sternen und Perlen sowie Ketten und Armbänder aus Bärenklauen fanden ihre begeisterten Abnehmer. Ihre Freundin rief plötzlich „Schau mal“, und Anke Meizies hob ihren Kopf. Doch was sie sah, war weder ein Wal noch ein Eisbär, sondern ein Auto. Willkommen zurück in der Zivilisation!

Eine Urlaubserinnerung von

Dr. Anke Meizies

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Kirsten Fähmel

Als ausgewiesene Kreuzfahrt-Expertin kennt sich Kirsten Fähmel auf den Meeren dieser Welt aus. Ob AIDA, TUI Cruises, Costa oder MSC – zu allen großen Kreuzfahrtveranstaltern auf dem Markt kann sie wertvolle Tipps geben. Für Ihre private Reisen zieht es sie regelmäßig an Bord eines AIDA-Schiffes – und dabei bevorzugt ins Mittelmeer oder den hohen Norden.

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