Spitzbergen: Vom Polarfuchs bis zur Geisterstadt

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© Incredible Arctic - shutterstock.com

Eine Schiffsreise in die blau schimmernde Pracht von Spitzbergen verspricht einen Hauch von Abenteuer in der Einsamkeit arktischer Welten. Kreuzfahrer, die zu Europas Spitze aufbrechen, reisen auf den Spuren historischer Expeditionen und Forscher, zwischen glitzernden Gletschern, bizarren Eisformationen und einsamen Stränden. Sie stoßen zu Schauplätzen magischer Schönheit vor, die so unberührt scheinen wie zu Anbeginn der Zeit. Walrosse, Polarfüchse und das Spitzbergen Ren – eine kleinere Ausgabe des Rentiers – erleben Sie in ihrem natürlichen Lebensraum aus Eis, Wind und Wasser.

62.450 Quadratmeter umfasst der norwegische Archipel im nördlichen Eismeer. Die größte Insel ist das gleichnamige Spitzbergen mit dem Verwaltungszentrum Longyearbyen, gefolgt von den Eilanden Nordaustlandet, Barentsøya, Edgeøya, und Prins Karls Forland. Spitzbergen mit dem Schiff zu bereisen, ist jedoch nur zwischen Juni und September möglich, wenn die Küste schneefrei ist und die Mitternachtssonne die phantastische Landschaft in ein mystisches Licht taucht.

Am langen Polartag erschließen Zodiaktouren und Wanderungen entlang der schroffen Küste, die von zahlreichen Fjorden eingeschnitten ist, die Schönheit dieser einmaligen Natur. Zu Beginn der Saison brüten vorwiegend Seevögel in riesigen Kolonien. 1.717 Meter ragt der Newtontoppen als höchste Erhebung in den stahlblauen Himmel. Besonders schön ist der alpine Norden mit der blühenden Tundra. Obwohl Svalbrand auf Norwegisch kalte Küste heißt, beschert der West-Spitzbergen-Strom als Ausläufer des Golfstroms der Westküste ein milderes Klima. Bis zu 17 Grad kann es im Sommer werden.

Meist beginnt eine Kreuzfahrt in Longyearbyen. Zahlreiche Minen zeugen von dem regen Bergbau, der hier betrieben wurde. Heute ist nur noch eine einzige Zeche für den Abbau von Steinkohle in Betrieb. Im Svalbard-Museum kann man durch einen simulierten Bergstollen kriechen. Es werden aber auch Führungen durch eine echte stillgelegte Kohlenmine angeboten, organisiert von ehemaligen Bergarbeitern.

Vieles in Spitzbergen trägt das Superlativ der/die/das nördlichste… der Welt. So die Kirche von Svalbard, oder das hellblaue Postamt in der nördlichsten permanent bewohnten Siedlung Ny Ålesund, wo die Postkarten mit nördlichstes Postamt der Welt abgestempelt werden. Als Gag wird für Schiffsausflügler das Lloyd Hotel, eine Schutzhütte des einstigen Norddeutschen Lloyd in Møllerhafen, zur nördlichsten Bar der Welt umfunktioniert. Mit einem weiteren Superlativ rühmt sich der Karls-Berger-Pub in Longyearbyen, und zwar mit der größten Sammlung Europas an Whisky-, Cognac- und Armagnacflaschen.

Sehenswert sind auch die alte Bergbau-Eisenbahn in Ny Ålesund und das Denkmal des großen Polarforschers Roald Amundsen. Am Ankermast hatten Amundsen und später Nobile ihre Luftschiffe vertäut. Gespenstisch wirkt die vergessene Geisterstadt Pyramiden. Bis 1998 haben dort russische und ukrainische Bergarbeiter nach dem schwarzen Gold geschürft. Als wäre der Ort erst gestern verlassen worden, stehen ausgestopfte Tiere im Museum und 60.000 Bücher im Kulturpalast, Balalaika und Piano warten darauf, gestimmt zu werden. Eine Handvoll Leute soll Pyramiden nun vor dem Verfall bewahren.

Auf der polnischen Polarforschungsstation Polska Stacja Polarna in Isbjørnhamna im Hornsund-Fjord, gewähren die Mitarbeiter Besuchern gern Einblick in ihre Arbeit.

Wer den Soraberget am Finn Malmgrenfjord besteigt, der 205 m hoch am Finn Malmgrenfjord aufragt, wird mit einem grandiosen Ausblick auf die Gletscher von Nordaustlandet belohnt. Ein Naturerlebnis ist auch der Aufstieg der von tausenden Vögeln bevölkerten Schluchtwände an der Diskobucht von Edgeøya. Eine Auszeit für die Seele ist eine Kreuzfahrt nach Spitzbergen allemal.

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Thomas Rolf

Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: „Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff.“

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