Nordland mal ganz anders – Schiffsreise nach Spitzbergen

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© Crystal Egan - shutterstock.com

Wenn im Frühjahr das Licht nach Svalbard zurückkehrt, bricht die Zeit der Schiffsreisen an. Das Eis zieht sich bis Juni soweit zurück, dass die Kreuzfahrtschiffe und Eisbrecher ihre Touren im Hafen von Longyearbyen, dem mit 1.800 Einwohnern größten Ort auf Spitzbergen, beginnen können.

Mit Hurtigruten Überquerung des 80. Breitengrades

Ihr Ziel: Das Überqueren des 80. Breitengrades oder sogar das Umrunden des Svalbard-Archipels, dessen kleiner Teil Spitzbergen wohl der bekannteste ist. „Das ist die einzige Stelle der Welt, an der man mit einem Schiff so hoch nach Norden fahren kann“, sagt Kapitän Knut Storo und schaut auf seine Instrumente. Noch ist es nicht geschafft, behutsam steuert er seine „Nordstjernen“ aus der Hurtigruten-Flotte um die Eisschollen herum. Immer wieder knarrt und knackt es unter dem Schiff. Die etwa 80 Passagiere stehen bei strahlend blauem Himmel an Deck und schauen gebannt ins dunkle Wasser. Auf den im Sonnenlicht glänzenden Wellen schwimmen bizarre Stücke aus Eis. Dann ist es soweit: Der 80. Breitengrad ist überquert, die Crew serviert Sekt für alle Passagiere auf dem Achterdeck.

Eisbärentatzen im Schnee

Vorsichtig wendet der Kapitän sein Schiff und nimmt Kurs auf den Magdalenen-Fjord. Hier ist das Wasser ruhiger, zu beiden Seiten des Schiffes ragen die spitzen Berge aus dem Meer empor. Am Ende des Fjords taucht halbrund das Ufer auf: der Strand. Fünf Guides sind mit an Bord, sie leiten die Expeditionen, die während der einwöchigen Reise täglich stattfinden. Mit Beibooten geht es an Land. Der Boden ist eine Mischung aus Sand, dicken Steinen und Schnee. Nur etwa 100 Meter entfernt steht eine kleine Holzhütte. „Die haben Eisbärenjäger schon 1940 gebaut“, sagt Martin Machiedo, während er die Bretter von der Tür der kleinen Holzhütte entfernt. Drinnen riecht es nach feuchtem Holz und durch ein kleines Fenster dringt nur schwach das Tageslicht. „Es darf nichts verändert werden“, mahnt er. Der 28-jährige deutsche Gletscherforscher hat seine Leidenschaft für das ewige Eis entdeckt und lebt bereits seit sechs Jahren auf Spitzbergen. Die Besucher stapfen weiter durch den tiefen Schnee. Plötzlich stoppt Martin die Gruppe. Wie ein Relief zeichnen sich die etwa 25 Zentimeter großen Tatzen eines Eisbären ab. „Die sind frisch“, sagt Martin und weist in die Richtung, aus der der König der Arktis gekommen und dann am steinigen Ufer entlang getrottet ist. So spannend kann die Natur sein.

In Zodiacs zu Gletscherschönheiten

Zu einer echten Erlebnisexpedition wird die Reise jedoch erst, wenn sich pures Eis in seiner ganzen Schönheit offenbart – als Gletscherfront. Grell weiß mit riesigen blauen Flächen ragt der Gletscher am Ende des Lilljehöökfjords empor. Bis auf wenige hundert Meter fährt die „Nordstjernen“ heran, dann geht es für die Expeditionsteilnehmer in Zodiacs weiter. Sechs Personen plus Guide haben, mit Schwimmwesten und Kamera ausgerüstet, in jedem dieser Schlauchboote Platz. In rasantem Tempo fährt der Steuermann auf die mehr als 100 Meter aus dem Wasser aufragende Gletscherwand zu, der eisige Wind scheint die hoch spritzende Gischt schon in der Luft zu gefrieren. Unter dem Boot kracht es, als er über dünne, schwimmende Eisflächen brettert und schließlich vor der Gletscherwand abrupt bremst. Wie gebannt starrt die Gruppe auf jeden Riss und die bizarren Formen. Daneben ragen knallblaue Flächen an besonders glatten Abbruchkanten auf. „Reineres Eis als das blaue gibt es nicht, denn da sind keine Luft- oder Schmutzeinschlüsse mehr drin“, kommentiert Martin. Langsam fährt das Schlauchboot an der Gletscherfront entlang, kein Geräusch ist zu hören. Nur das leise Knistern der kleinen Eisschollen ringsum. „Was hier etwa fünf Meter nach oben ragt, kann mehr als 20 Meter tief unter der Wasseroberfläche sein“, sagt Martin und zeigt auf die in der Dunkelheit des Meeres allmählich verschwimmende blaue Eismasse direkt neben dem Boot. Dann zieht der Bootsführer am Gashebel, und das Boot fliegt geradezu auf die „Nordstjernen“ zu. Zwischendurch setzt es hart auf dem Eis auf. Jetzt ist die schneidende Kälte des Windes wieder spürbar, die die Reisenden für kurze Zeit vergessen hatten – überwältigt von der Schönheit einer Landschaft, die nur aus gefrorenem Wasser besteht.

Expedition ins ewige Eis

Jahreszeiten, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten, prägen das Leben auf Spitzbergen. Im kurzen Polarsommer erwacht eine faszinierende Pflanzenwelt zum Leben, die Sonne scheint 24 Stunden am Tag. Im Oktober bricht die Dunkelheit herein und taucht die arktische Wüste bis Februar in tief schwarze Nacht. Flora und Fauna erstarren im Winterschlaf – und tausende Sterne funkeln über der Arktis. Die Natur hat hier ihre eigenen Gesetze.

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Thomas Rolf

Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: „Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff.“

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