Bordseelsorger – Berufe auf dem Kreuzfahrtschiff

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Was ist ein Bordseelsorger?

Ein Bordseelsorger ist ein Priester, Pfarrer oder Theologe, der auf Kreuzfahrtschiffen mit an Bord geht und seinen Beruf auf hoher See ausübt. Der auch als Bordpfarrer bezeichnete Seelsorger ist meist rund um Ostern und Weihnachten, den beiden großen christlichen Feiertagen, auf dem Kreuzfahrtschiff anzutreffen. Für diese Zeit sind sie ein festes Mitglied der Crew, das dem Unterhaltungsteam zugeordnet ist, genauso wie Tänzer, Musiker oder Lektoren. Daher kommen neben der seelsorgerischen Tätigkeit manchmal auch andere Einsatzbereiche in Betracht, beispielsweise die Aufgabe als Begleitperson bei Landausflügen. Die Arbeit als Bordseelsorger ist ehrenamtlich und wird nicht vergütet. Kost und Logis sind frei und werden von der Reederei übernommen. Vermittelt wird die Tätigkeit an Bord durch das Katholische Auslandssekretariat der Deutsche Bischofskonferenz und durch das Auslandsamt der Evangelischen Kirche.

Wofür sind Bordseelsorger da? Was sind ihre Aufgaben an Bord?

Bordseelsorger ermöglichen es katholischen und evangelischen Passagieren und Crew-Mitgliedern, an christlichen Feiertagen auch an Bord einen Gottesdienst zu feiern. Während eines Urlaubs an Land können Reisende jederzeit eine Kirche aufsuchen oder an einem Gottesdienst in der örtlichen Gemeinde teilnehmen. An Bord ist dies nicht möglich, wenn sich das Schiff gerade auf hoher See befindet oder in Ländern angelegt wird, in denen eine andere Glaubensrichtung vorrangig ist. In diesem Fall ist der Bordpfarrer zur Stelle. Da die meisten Kreuzfahrtschiffe nicht über eine schiffseigene Kapelle oder einen Andachtsraum verfügen, wird in der Regel eine Lounge umfunktioniert, um darin einen ökumenischen Gottesdienst feiern zu können. Diese finden meist mit musikalischer Begleitung durch die Bordmusiker statt. Darüber hinaus führt der Bordseelsorger auch Segnungen durch, beispielsweise anlässlich einer silbernen oder goldenen Hochzeit. Hinzu kommen Vorträge, bei denen der Pfarrer zu aktuellen religiösen Themen referiert.

Neben den Gottesdiensten oder Segnungen ist der Bordpfarrer vor allem seelsorgerisch tätig und ein Gesprächspartner für alle Gäste, die kirchliche Beihilfe, Zuspruch oder Betreuung benötigen. Freund und Leid liegen auch auf dem Kreuzfahrtschiff nah beieinander. So kann es selbstverständlich auch an Bord vorkommen, dass Urlauber über einen Schicksalsschlag benachrichtigt werden und daher seelsorgerisch betreut werden müssen. Aber auch darüber hinaus sind das Urlaubs-Feeling und die Annehmlichkeiten an Bord noch lange keine Garantie dafür, dass es allen Passagieren auch tatsächlich gut geht und keiner Sorgen hat. Das weite Meer, Sommer, Sonne, Komfort und ein Traumurlaub an Bord – trotz der paradiesischen Atmosphäre muss nicht jeder glücklich und zufrieden sein. Gerade während der Festtage wie Weihnachten suchen viele Kreuzfahrt-Urlauber das Gespräch, Trost oder Hilfe. Schließlich sind die Sorgen und Nöte nicht einfach weg, nur weil gerade der Urlaub ansteht.

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Viele Gäste haben auch ihre Probleme mit im Gepäck, wenn sie verreisen, und werden an Bord von ihren Alltagssorgen eingeholt. Wer auf dem Schiff ist, kann buchstäblich nicht weglaufen, nicht vor seinen Problemen und Ängsten und erst recht nicht vor sich selbst. Gerade die Weite des Meers und die Zeit zum Nachdenken, die viele Passagiere erst im Urlaub haben, sorgt mitunter für das Ausbrechen von Konflikten und das Bewusstwerden der eigenen Probleme. Fern vom Alltag zu Hause können kleinere und größere Krisen entstehen. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass sich Ehepartner zerstreiten und der Bordseelsorger vermittelnd tätig werden muss. Rat und Hilfestellung sind dann gefragt, zumal es an Bord auch viele einsame Menschen gibt, die allein vereisen und die Gemeinschaft mit anderen suchen. Der Bordpfarrer steht all diesen Gästen mit seiner seelsorgerischen Erfahrung zur Seite. Hierzu gibt es auf einigen Kreuzfahrten feste Sprechzeiten in einer separaten, extra zur Verfügung gestellten Räumlichkeit. Vielfach kommt der Bordseelsorger aber einfach zwischendurch mit den Reisenden ins Gespräch, sei es am Pool, auf dem Sonnendeck oder bei Landgängen.

Welche Schiffe und Reedereien haben einen Bordseelsorger?

Der Bordseelsorger gehört heute nicht mehr zu den klassischen Berufen auf hoher See, die das ganze Jahr über auf dem Schiff vertreten sind. Er ist bei vielen Reedereien lediglich an Weihnachten und Ostern mit an Bord, um an diesen Festtagen einen christlichen Gottesdienst anbieten zu können. So ist beispielsweise bei AIDA und TUI Cruises, den beiden führenden Reedereien auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt, zeitweise ein Seelsorger mit an Bord. Bei einigen Reedereien geht jedoch auch ganzjährig ein Pfarrer mit auf Kreuzfahrt. Hierzu gehören die Phoenix-Schiffe MS Deutschland, Artania, Albatros und Amadea sowie die MS Europa von Hapag-Lloyd. Wie die anderen Crew-Mitglieder geht auch der Bordpfarrer auf Heimaturlaub oder ist nur für einen begrenzten Zeitraum an Bord, bevor er von einem anderen Seelsorger abgelöst wird.

Geschichtliche Hintergründe zur Tätigkeit als Bordseelsorger

Der Beruf des Bordseelsorgers hat eine lange Tradition, denn bei d19er Passagierschifffahrt sind seit jeher Geistliche auf See vertreten. Bereits auf den Auswandererschiffen, die im 19. Jahrhundert von Millionen von Menschen aus Europa genutzt wurden, um in der Neuen Welt ihr Glück zu suchen, reisten immer Bordpfarrer mit. Sie feierten Gottesdienste und standen den Auswanderern, die sich in Amerika für die Zukunft ein besseres Leben erhofften, zur Seite. Auch für die wohlhabenden Passagiere, die in der ersten Klasse reisten, fand selbstverständlich der Sonntags-Gottesdienst an Bord statt.

Julia Korte
Kreuzfahrten sind Ihre Leidenschaft - egal ob auf dem Meer oder dem Fluss. Sie fasziniert diese Urlaubsform, da es die Möglichkeit gibt, innerhalb weniger Tage viele verschiedene Orte zu besuchen und dabei sein Hotelzimmer immer dabei zu haben. Einmal den Koffer auspacken und dann rundum genießen - das gefällt! Neben den großen Kreuzfahrt-Reedereien hat Julia Korte aber auch die "Nischenprodukte" für sich entdeckt - Hurtigruten steht dabei ganz oben auf der Liste.

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