Auf Nachhaltigkeitskurs

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nachhaltigkeit korallen im meer
© istock

Kreuzfahrtschiffe stehen vor allem wegen ihres Schadstoffausstoßes häufig in der Kritik.
Zu Recht? Interessieren sich Reedereien tatsächlich nicht für Umwelt- und Klimaschutz? Wir haben uns die Branche genauer angeschaut.

Es ist nicht zu leugnen: Aktuell wird ein Großteil der Kreuzfahrtschiffe mit Schweröl betrieben. Schweröl gilt als einer der belastendsten Brennstoffe der Welt, weil es deutlich mehr Schadstoffe enthält als andere Treibstoffe. Auf den ersten Blick lassen sich die Themen Kreuzfahrt und Umweltschutz also nicht vereinbaren. Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Entgegen vieler Vorurteile ist der Schutz der Umwelt in der Kreuzfahrt ein bedeutendes Thema. Nach Angaben der Cruise Lines International Association Germany (CLIA) haben alle Mitgliedsreedereien ihre Schiffe und Angebote nach Umweltgesichtspunkten auf den Prüfstand gestellt. Sie arbeiten mit Hochdruck daran, zeitgemäße und umweltverträglichere Technologien zu entwickeln. Damit sind sie Vorreiter und Taktgeber für die gesamte Schifffahrtsbranche. Denn auch wenn es die Kreuzfahrtschiffe sind, die in den Medien immer am Pranger stehen, machen sie weniger als ein Prozent der weltweiten Schifffahrt aus.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Den etwa 50.000 Handelsschiffen stehen nur etwas mehr als 300 Kreuzfahrtschiffe gegenüber. AIDA Cruises hat zum Beispiel in den vergangenen zehn Jahren an einer Zukunftstechnologie getüftelt, die sogar die Naturschutzorganisation NABU als empfehlenswert ausgezeichnet hat. Im Kreuzfahrt-Ranking 2018 landete AIDAnova auf Platz eins. Sie hat als einziges der in Europa fahrenden Schiffe vier grüne Schiffsschrauben bekommen. Was AIDAnova so gut abschneiden lässt, ist ihre innovative Form des Antriebs: Nach jahrelanger Entwicklungszeit hat sie 2018 den Betrieb aufgenommen und ist damit das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das mit vergleichsweise emissionsarmem Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas – kurz: LNG) betrieben wird. Zusätzlich ist sie darauf ausgerichtet, im Hafen mit grünem Landstrom versorgt zu werden. „Unser langfristiges Ziel ist klar: die emissionsneutrale Kreuzfahrt“, untermauerte AIDA-Präsident Felix Eichhorn anlässlich der Vorstellung der Publikation AIDA cares, worin das Unternehmen Fortschritte auf dem Weg zu dieser umweltfreundlichen Art der Kreuzfahrt dokumentiert.

© AIDA Cruises

Umweltfreundliches Flüssiggas

Dass das Schiff so viel besser abgeschnitten hat als alle anderen, liegt vor allem am umweltfreundlichen Treibstoff Flüssigerdgas. Und AIDA Cruises ist damit nicht mehr allein. Ab November schickt Costa mit der Costa Smeralda ebenfalls ein Schiff mit LNG-Antrieb auf Reisen und bei TUI Cruises sollen ab 2024 zwei Schiffe mit dem umweltfreundlicheren Flüssiggasantrieb in Dienst gestellt werden. Die norwegische Reederei Hurtigruten will bei ihrer Flotte ebenfalls konsequent auf Schweröl verzichten. Deshalb ist es das erklärte Ziel von Hurtigruten, die Schiffe emissionsfrei zu betreiben. Mit der Einführung von Hybrid-Expeditionsschiffen und der Nachrüstung bestehender Schiffe mit Batterien und Flüssiggasmotoren ist das Unternehmen eigenen Angaben zufolge diesem Ziel bereits ein Stück nähergekommen. Die Reederei nicko cruises, mit Sitz in Stuttgart, schickt in diesem Jahr ihr erstes Kreuzfahrtschiff auf die Weltmeere. Das Besondere: Die World Explorer ist mit einem dieselelektrischen Hybrid-Antrieb ausgestattet und kann sich zeitweise rein elektrisch und damit emissionsfrei und fast lautlos fortbewegen. Ein Schwesterschiff mit dem Namen World Voyager folgt im kommenden Jahr.

Landstrom

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Energieversorgung von Schiffen, wenn sie im Hafen liegen. Um die Energie für den Betrieb des schwimmenden Hotels zu erzeugen, laufen die Motoren auch weiter, wenn das Schiff nicht fährt. Um die Emissionen für die Umwelt und die Bewohner von Hafenstädten zu senken, haben einige Schiffe schon einen Anschluss für Landstrom, der den Energiebedarf an Bord deckt und im besten Fall aus erneuerbaren Energien stammt. Nach Angaben der CLIA ist das aktuell bei einem Liegeplatz in Hamburg der Fall, mit Kiel und Warnemünde kommen demnächst zwei weitere Häfen dazu. Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 von TUI Cruises werden 2020 nachgerüstet, damit die Schiffe Landstrom nutzen können, während sie im Hafen liegen.

Strenge Regelungen für Schweröl

Auch wenn alternative Treibstoffe und Antriebsformen gerade in aller Munde sind, wird Schweröl als Treibstoff für Kreuzfahrtschiffe nicht so schnell zu ersetzen sein. Deshalb gibt es für dessen Einsatz strenge Regeln. Auf der Nord- und Ostsee gilt seit 2015 eine Höchstgrenze von 0,10 Prozent Schwefelanteil. Zudem ist hier der Einsatz von Schweröl ohne entsprechende Abgasfilter verboten. Ähnlich strenge Regeln gelten auch für die nordamerikanische Küste, Teile der Karibik und in kleinen Gebieten an der Küste Chinas. Weltweit sind ab dem 1. Januar 2020 zudem nur noch Treibstoffe zulässig, die maximal ein Siebtel des Schwefelgehalts von derzeit zulässigen Treibstoffen enthalten. Auf alle diese Veränderungen hat die Kreuzfahrt-Branche bereits reagiert. Laut CLIA werden mit Filtersystemen Feinstaub um mindestens 50 Prozent und Schwefeloxide um bis zu 98 Prozent herausgefiltert. Den Informationen zufolge wurden 2018 in Europa 111 Kreuzfahrtschiffe mit Abgasnachbehandlungssystemen ausgerüstet. Das zeigt Wirkung: In den Küstenregionen der Nord- und Ostsee hat sich die Schwefelkonzentration in der Luft in den letzten Jahren halbiert.

Plastik ade

Hurtigruten hat sich zum Ziel gesetzt, die erste kunststofffreie Kreuzfahrtgesellschaft der Welt zu werden. Denn wenn es mit uns Menschen und dem Plastik so weitergehen würde wie bisher, dann hat das Unternehmen ein düsteres Zukunftsszenario gezeichnet: Demnach werden im Jahr 2050 mehr Plastikabfälle als Fische im Meer schwimmen. Um dagegen aktiv anzugehen, sammeln die Gäste der Schiffe auf ihren Reisen nicht nur Müll an Stränden ein. Einwegkunststoffe wurden von allen Schiffen verbannt. Was das bringen kann, untermauern auch Zahlen von TUI Cruises. Die Reederei hat 2018 ihr Plastik-Reduktionsprogramm „Wasteless“ gestartet mit dem Ziel, dass bis 2020 Plastikprodukte und verzichtbare Einwegartikel verschwinden. Zwei Beispiele zeigen, was vermeintlich kleine Maßnahmen bringen können: Durch den Verzicht auf Plastikspieße werden flottenweit 5 Millionen Spieße jährlich eingespart. Und dadurch, dass die Frottee-Slipper für den Weg zum Pool oder in die Sauna, statt in Plastik verpackt, nun unverpackt in den Taschen der Bademäntel zu den Passagieren kommen, entfallen 250.000 Pantoffelverpackungen.

Nahrungsmittel

Auch die Versorgung an Bord mit Lebensmitteln spielt eine wichtige Rolle. So wird auf den AIDA-Schiffen frisch und nachhaltig gekocht – für die Gäste und die Crew. Das Unternehmen legt außerdem großen Wert darauf, dass keine Gerichte von bedrohten Tierarten auf dem Speiseplan stehen. An die Restaurants werden nur die Lebensmittel geliefert, die dort tatsächlich gebraucht werden. Außerdem können die Servicekräfte in Buffetrestaurants über mobile Endgeräte in der Hauptküche nachordern, damit nicht mehr Speisen zubereitet werden, als tatsächlich gegessen werden. Auf vielen Schiffen gibt es Wasser in Glasbehältern, die die Reisenden selbst an Wasserspendern auffüllen können. Auch mit Abfällen ist ein verantwortungsvoller Umgang wichtig: Die Mülltrennung an Bord bei TUI Cruises beispielsweise ist vergleichbar mit der, die man von zu Hause kennt, erklärt das Unternehmen. Teilweise werden die Abfälle schon an Bord zerkleinert, gepresst und zu Würfeln verarbeitet. Im nächsten Hafen werden sie an Entsorgungsunternehmen zum Recycling oder zur Beseitigung übergeben.

Hurtigruten Foundation

Einen Schritt weiter in Sachen Umweltschutz geht das Unternehmen Hurtigruten. Die Reederei hat eine Stiftung gegründet, um sicherzustellen, dass sich die Gäste von morgen an den gleichen Naturerlebnissen erfreuen können wie die Reisenden heute. Die Stiftung verfolgt drei wesentliche Ziele: die Erhaltung der weltweiten Eisbärenpopulation, die Bekämpfung der Meeresverschmutzung, beispielsweise bei Plastikabfällen, sowie die Durchführung lokaler und globaler Projekte in den Regionen, in denen die Schiffe unterwegs sind. Das, was das Unternehmen an neuen Erkenntnissen in Sachen Umweltschutz gewonnen hat, gibt es übrigens gern weiter – nicht nur an Gäste und Interessierte, sondern auch an andere Reedereien.

Kreuzfahrtschiffe als Vorreiter

Die Bemühungen der Reedereien tragen bereits Früchte. Schon heute haben sie es geschafft, den Treibstoffverbrauch pro Passagier um etwa 70 Prozent zu reduzieren. Bei Schiffsneubauten wird aber nicht nur Wert auf Energieeffizienz gelegt, sondern auch auf möglichst viel Einsparpotenzial beim Wasserverbrauch. Gleichzeitig sind moderne Kreuzfahrtschiffe mit bordeigenen Kläranlagen ausgestattet, die mit ihren Pendants an Land mithalten können. Nahezu alle Kreuzfahrt-Reedereien haben sich mittlerweile freiwillig dazu verpflichtet, nur noch geklärtes Abwasser ins Meer zu lassen. Damit jedoch nicht genug: Die CLIA und ihre Mitgliedsreedereien haben sich zudem dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren.

Was können die Gäste tun?

Anreise

Eine Kreuzfahrt auf nachhaltige Weise beginnt schon bei der Auswahl der Reiseroute. Denn man muss nicht zwingend eine Flugreise machen, um an Bord eines Schiffes zu gelangen. Viele Touren starten auch in deutschen Häfen. Statt mit dem Auto oder dem Flugzeug anzureisen, sollte man prüfen, ob nicht auch eine Anreise mit der umweltfreundlicheren Bahn möglich ist. Ein weiterer Vorteil: Wer mit dem Zug fährt, muss auch keine Parkgebühren bezahlen und ist flexibel bei den Abfahrts- und Ankunftsorten.

Reedereien

Auf den Webseiten der Anbieter kann man sich ein Bild darüber machen, ob Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtige Themen für die Reederei sind und welche Maßnahmen ergriffen werden. Wer sich für einen umweltbewussten Anbieter entscheidet, tut nicht nur etwas für die Natur, sondern fördert auch die Weiterentwicklung von nachhaltigen Technologien.

Ausflüge

Viele Anbieter legen auch bei den angebotenen Ausflügen Wert auf Umweltschutz und darauf, die Menschen in den Zielorten zu unterstützen. Einige bieten sogar Unternehmungen an, bei denen ein fester Betrag an ausgewählte Organisationen gespendet wird. Wer ganz sicher gehen will, dass auch bei den Menschen vor Ort etwas ankommt, kann beispielsweise einen Shopping-Bummel bei heimischen Kaufleuten einplanen oder ein Restaurant eines dort ansässigen Gastronomen besuchen. Außerdem bieten die Reedereien nicht nur Sightseeingtouren mit dem Bus an. Egal ob zu Fuß, mit dem Mountain- oder E-Bike: Aktive Ausflüge stehen bei Kreuzfahrtpassagieren hoch im Kurs.

Verantwortlich verhalten

Wer im Meer schwimmt, sollte eine Sonnencreme verwenden, die nicht in Verdacht steht, Korallen und Fische zu schädigen. Konkret geht es dabei um Inhaltsstoffe, die chemische UV-Filter bilden. Sie landen jährlich tonnenweise im Meer. Eine Möglichkeit ist es laut Ökotest, Sonnencreme mit physikalischen UV-
Filtern zu kaufen. Außerdem sollten die Reisenden auch keinen Müll in die Natur werfen und beim Einkauf zum Jutebeutel greifen. Auch auf dem Schiff gibt es Möglichkeiten, sich nachhaltig zu verhalten. Jeder sollte sich fragen, ob das Handtuch auf der Kabine wirklich täglich in die Wäsche muss. Wer sich am Buffet bedient, sollte sich mehrmals kleine Portionen nehmen, anstatt Essen zurückgehen zu lassen.

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Julia Korte
Kreuzfahrten sind Ihre Leidenschaft - egal ob auf dem Meer oder dem Fluss. Sie fasziniert diese Urlaubsform, da es die Möglichkeit gibt, innerhalb weniger Tage viele verschiedene Orte zu besuchen und dabei sein Hotelzimmer immer dabei zu haben. Einmal den Koffer auspacken und dann rundum genießen - das gefällt! Neben den großen Kreuzfahrt-Reedereien hat Julia Korte aber auch die "Nischenprodukte" für sich entdeckt - Hurtigruten steht dabei ganz oben auf der Liste.

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