Schiffsarzt Dr. Winfried Koller im Gespräch

0
13
© Phoenix Reisen

Im Notfall bestens versorgt

Lange Zeit hatte der Unfallchirurg und Facharzt für Orthopädie eine Praxis in München. Seit 20 Jahren zieht es ihn aber nun schon aufs Meer – als Schiffsarzt an Bord der Kreuzfahrtschiffe von Phoenix Reisen. Der Kreuzfahrt-Zeitung gibt er einen Einblick in die Arbeit in einem Bordhospital.

Doktor Koller, seit wann arbeiten Sie als Schiffsarzt?

Dr. Winfried Koller: Seit 1999.

Sie haben also schon viel Erfahrung auf See gesammelt. Was sollte jeder Passagier vor einer Kreuzfahrt aus ärztlicher Sicht beachten?

Koller: Wer gesund ist, braucht eigentlich nichts zu beachten. Wer aber schon vor Reiseantritt gesundheitliche Probleme hat, muss an ein paar Dinge denken. Die Passagiere sollten wichtige Arztbriefe und ihre Medikation dabei haben. Leider wissen viele nur, dass sie kleine weiße Pillen nehmen, und sind nur sehr vage über ihre Krankheiten informiert.

Für welche Fälle ist ein Bordhospital eingerichtet und gibt es eine Apotheke an Bord?

Koller: Auf der MS Artania haben wir eine sehr gute Ausstattung auch für Notfälle.
Röntgen, Ultraschall und EKG sind kein Problem. Auch eine Intensivabteilung mit Sauerstoff, Beatmungsmöglichkeiten und Defibrillatoren zur Reanimation und Überwachung ist vorhanden. Außerdem gibt es ein Labor und eine Bordapotheke, die für den Notfall mit allen gängigen Substanzgruppen bestückt ist.

Muss man trotzdem eine Reiseapotheke einpacken?

Koller: Wichtig sind alle notwendigen eigenen Präparate, da wir zwar alle Substanzgruppen, aber nicht jede Substanz an Bord haben können.

Welche Erkrankungen behandeln Sie an Bord am häufigsten?

Koller: Eigentlich haben wir die gesamte Palette der Medizin. Von Januar bis März sind allerdings Erkältungskrankheiten, die uns meist von Deutschland aus mit an Bord gebracht werden, sehr häufig. Seekrankheit kommt natürlich vor, ist aber nicht die häufigste Erkrankung.

Was passiert im Falle einer schwerwiegenden Erkrankung oder eines Notfalls?

Koller: Falls notwendig und möglich, schiffen wir einen Notfall in ein Krankenhaus an Land aus, auch per Helikopter.

Wer trägt die Kosten einer Behandlung?

Koller: Die Behandlung bezahlen die Passagiere bar, weil jeder an Bord Privatpatient ist. Vor Antritt einer Kreuzfahrt sollte man eine private Reisekrankenversicherung abschließen, die die Behandlungskosten nach der Reise erstattet.

Wie viele Personen sind an Bord der MS Artania im Hospital tätig? Und um wie viele Menschen kümmern Sie sich?

Koller: Auf „normalen“ Reisen sind zwei Krankenschwestern und ein Arzt an Bord. Wenn die MS Artania auf Weltreise geht, sind zwei Ärzte mit an Bord. Verantwortlich sind wir für maximal 1.200 Gäste und rund 530 Crew-Mitglieder.

Ein Schiffsarzt ist ständig in Bereitschaft – gehen Sie trotzdem auch mal an Land?

Koller: Wenn auf einer Weltreise zwei Ärzte an Bord sind, kann, wenn nicht gerade größere medizinische Probleme vorliegen, einer von Bord gehen. Auf Kreuzfahrten, bei denen nur ein Arzt an Bord ist, ist man per Handy ständig auf dem Schiff und auch an Land erreichbar.

Wie ist das Zusammenspiel zwischen Schiffsmediziner und Kapitän, Kreuzfahrtdirektor und Hotelmanager?

Koller: Wir haben regelmäßige Meetings zusammen. Ausschiffungen werden generell mit allen besprochen. Über gravierende medizinische Dinge wird die Schiffsleitung selbstverständlich informiert und dann wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Die Ärzte auf Kreuzfahrtschiffen stammen aus unterschiedlichen Bereichen. Welche medizinische Ausbildung haben Sie?

Koller: Ich habe von 1972 bis 1978 an der Uni München Medizin studiert und meine Facharztausbildung ebenfalls in München absolviert. Danach war ich erst in der Unfallchirurgie tätig und anschließend in der Orthopädie. Seit 1986 bin ich Facharzt für Orthopädie, und hatte von 1986 bis 1998 eine eigene Praxis.

Was hat Sie bewogen, Schiffsarzt zu werden?

Koller: Geboren bin ich in der Oberpfalz, genauer gesagt in Vohenstrauß bei Weiden. Durch das Studium bin ich nach München gekommen. Aber ich bin schon immer gerne gereist. Nachdem ich aus privaten Gründen, ich lebe seit 1998 überwiegend in Rio, meine Praxis verkauft habe, kam ich durch eine Freundin, die auf See arbeitete, an die Adresse von Phoenix Reisen.

Auf welchen Schiffen haben Sie gearbeitet?

Koller: Ich war immer auf Phoenix-Schiffen, erst auf der alten, dann auf der neuen MS Albatros. Auch auf der MS Amadea und der MS Alexander von Humboldt war ich schon im Einsatz. Seit 2011 fahre ich überwiegend auf der MS Artania mit, war aber zwischendurch auch auf der MS Deutschland.

Durch die TV-Erfolgsserie „Verrückt nach Meer“ sind Sie als Schiffsarzt über die Schiffsplanken hinaus bekannt geworden. Was ist der besondere Reiz an den Dreharbeiten?

Koller: Durch das Fernsehteam nimmt man oft an Ausflügen teil und begegnet dabei
Menschen, die man alleine nicht kennenlernen würde.

Wie lange sind Sie im Jahr auf See und was machen Sie, wenn Sie nicht als Schiffsarzt
tätig sind?

Koller: Ich fahre immer vier bis sechs Monate zur See. Im deutschen Sommer mache ich in München noch Praxisvertretungen, ansonsten verbringe ich meine Freizeit hauptsächlich bei meiner Familie in Rio und bin manchmal aber auch noch privat in München, wo ich noch eine Wohnung habe.

Gut zu wissen

Während einer Kreuzfahrt krank zu werden ist nicht schön. Passiert es trotzdem, ist es gut, dass es auf allen Kreuzfahrtschiffen einen Schiffsarzt gibt. Trotzdem sollten Reisende ein paar wichtige Punkte beachten:

Auslandskrankenversicherung

Weil die Kosten für medizinische Behandlungen in der Regel gar nicht oder nur teilweise von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, sollten Kreuzfahrt-Passagiere auf jeden Fall eine private Auslandskrankenversicherung abschließen. Auch Privatversicherte sollten vor Reiseantritt prüfen, was ihre Versicherung abdeckt, um Zusatzkosten zu vermeiden.

Medizinisches Personal

Auf allen Kreuzfahrtschiffen fährt für medizinische Notfälle ein Arzt mit. Je nach Größe des Schiffs und Dauer der Reise sind sogar mehrere Ärzte an Bord. Sie stammen aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie. Zur Seite stehen ihnen ausgebildete Krankenschwestern.

Medizinische Ausstattung

Alle Kreuzfahrtschiffe verfügen über sehr gut ausgestattete Bordkrankenhäuser, teils sogar mit intensivmedizinischer Ausrüstung.

Dialyse an Bord

Nicht alle Kreuzfahrtschiffe verfügen über Dialyse-Stationen. Patienten sollten sich vor Buchung beraten lassen, welche Schiffe für sie infrage kommen.

Medizinische Geräte mitnehmen

Die Mitnahme von medizinischen Geräten muss bei der Reederei ange-
meldet werden. Nicht erlaubt sind Sauerstoffkonzentratoren mit Druckgasflaschen oder Flüssigsauerstoff.

Eigene Medikamente

Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte diese natürlich einpacken –
unbedingt in der Originalverpackung. Außerdem sollte man sich über eventuelle Einfuhr- oder Zollbeschränkungen informieren und klären, ob zum Beispiel eine ärztliche Bescheinigung mitgeführt werden muss. Wer sich Medikamente spritzen muss, muss dies vor der Reise anmelden.

Die Kreuzfahrten-Zentrale hilft gerne bei der Suche nach dem perfekten
Kreuzfahrt-Urlaub. Tel. 05 41/33 09 30 und www.kreuzfahrten-zentrale.de

angebote-kreuzfahrt-zeitung-mai2017
Kirsten Fähmel
Als ausgewiesene Kreuzfahrt-Expertin kennt sich Kirsten Fähmel auf den Meeren dieser Welt aus. Ob AIDA, TUI Cruises, Costa oder MSC - zu allen großen Kreuzfahrtveranstaltern auf dem Markt kann sie wertvolle Tipps geben. Für Ihre private Reisen zieht es sie regelmäßig an Bord eines AIDA-Schiffes - und dabei bevorzugt ins Mittelmeer oder den hohen Norden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

*