HANS-JÖRG KUNZE: Wir sind uns der Verantwortung bewusst!

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© AIDA Cruises

Alternative Antriebe, Klimaziele, Umweltschutz: Kreuzfahrt-Reedereien stehen vor zahlreichen neuen Herausforderungen. Was das für ein Unternehmen wie  AIDA Cruises bedeutet, erzählt Hansjörg Kunze, Vizepräsident Kommunikation und Nachhaltigkeit.

Die 2018 fertiggestellte AIDAnova ist das erste Kreuzfahrtschiff, das mit dem Flüssiggas LNG betrieben wird. Ein bedeutender Schritt für die Kreuzfahrt?

: Die Umsetzung von AIDAnova hat etwa zehn Jahre gedauert und war nur durch die enge Zusammenarbeit von AIDA Cuises mit allen beteiligten Motorenherstellern und Werften möglich. Das erste emissionsarm betriebene Kreuzfahrtschiff in Dienst zu stellen war nur der Anfang. Allein zehn solcher Schiffe stehen aktuell bei der Carnival Cooperation in den Orderbüchern. Wir bei AIDA werden 2021 das nächste LNG-Kreuzfahrtschiff bekommen, 2023 das dritte. Es ist eine starke Entwicklung in Gang gesetzt worden, die Pionierarbeit und Investitionen erfordert, aber auch zeigt, dass „Made in Germany“ im Bereich maritimer Umweltschutz eine große Rolle spielen kann. AIDA ist Anfang August mit dem Blauen Engel, dem Umweltzeichen der Bundesregierung, für das umweltfreundliche Schiffsdesign von

AIDAnova ausgezeichnet worden. Wir freuen uns sehr über diese Würdigung unseres langjährigen Engagements sehen dies aber auch als Ansporn, in unseren Bemühungen nicht nachzulassen.

Wann wurde die Nachhaltigkeits-Wende bei AIDA Cruises eingeleitet?

KUNZE: Nachhaltigkeit ist seit der Gründung von AIDA Teil unserer DNA. Ein Beispiel: Bis Ende 2020 werden 12 von 14 AIDA-Schiffen technisch in der Lage sein, grünen Landstrom – wo verfügbar – zu beziehen. Der Beginn dieses Prozesses begann für uns bereits mit der Bestellung von AIDAdiva im Jahr 2004, bei der wir schon die Räume für den Einbau der Landstromtechnik vorgesehen hatten. AIDA ist also bereits seit mehr als 15 Jahren an dem Thema dran. Das zeigt, dass die Nutzung von umweltfreundlicher Technologie bei uns langfristig geplant wird und ein nachhaltiger Prozess ist.

Bedeutet der Abschied von Schiffsdiesel und Schweröl eine Wende für das Unternehmen?

KUNZE: Wir folgen einer sehr kontinuierlichen und logischen Entwicklung. Technologische Prozesse wie die Nutzung von LNG oder Landstrom müssen gut vorbereitet werden und man braucht Partner aus Forschung, Wissenschaft und der Industrie. Wir sind ja schon seit mehreren Jahren bei der Nutzung der Landstromanlage in Hamburg-Altona Vorreiter. Auch das hat viel Zeit und Kraft gekostet, bis man in den Regelbetrieb reinkommt. Aber es lohnt sich. Ich bin überzeugt, dass solche Pionierprojekte bald zum Alltag in der Kreuzfahrt gehören und die Branche in der ganzen Schifffahrt bei diesen Themen vorangeht.

Auch LNG ist ein fossiler Brennstoff. Warum gibt es keine alternativen Antriebe?

KUNZE: Die Frage ist, ob man Schritte, die zu einer erheblichen Emissionsminderung führen – wie der Einsatz von Erdgas –, geringschätzen sollte, nur weil sie nicht die Hundertprozentlösung sind. Damit möchte ich sagen: Wir befinden uns gerade auf einem Weg der technologischen Entwicklung. LNG hat den Vorteil, sehr emissionsarm zu sein, ist aber natürlich nicht die alleinige Lösung, um die Klimaziele 2050 zu erreichen. Es liegt jetzt daran, dass Wissenschaft, Motorenentwicklung, aber auch öffentliche Förderprogramme zum Beispiel synthetische Treibstoffe an den Markt bringen. Wir sind uns mit unseren Partnern und Kritikern vom NABU einig, dass der LNG-Antrieb ein wichtiger und wesentlicher, aber auch nur ein erster Schritt ist. Synthetische Treibstoffe werden zukünftig eine größere Rolle spielen, ebenso die Benutzung von grünem Landstrom, Brennstoffzellen und Batterielösungen.

Welche Meilensteine liegen für AIDA Cruises noch auf dem Weg zur emissionsneutralen Kreuzfahrt?

KUNZE: Wir werden im nächsten Jahr verstärkt das Thema Landstrom in den Mittelpunkt stellen. Viele unserer Schiffe sind dafür bereits ausgerüstet. Zusätzlich zu Hamburg haben wir Partnerschaften mit Kiel und Rostock initiiert, um eine Landstromversorgung ab 2020 für Kreuzfahrtschiffe auch dort möglich zu machen. Wir werden außerdem 2021 ein Projekt umsetzen, das den Einsatz einer Brennstoffzelle an Bord zeigen wird. AIDA ist auf dem Weg, seine Ziele recht zügig umzusetzen, und nimmt dabei auch sehr gerne die Vorreiterrolle wahr.

Sie sprechen das Thema Landstrom an. Bis jetzt wird die erste Landstromanlage Europas in Hamburg aber noch kaum genutzt. Woran liegt das?

KUNZE: Wir für unseren Teil nutzen die Anlage mit unserer AIDAsol sehr intensiv, zwischen 10 und 11 Stunden pro Anlauf. Von ihr wird die Landstromanlage ganz routinemäßig genutzt.  Wir schalten die Motoren ab, stattdessen nehmen wir ökologisch zertifizierten Strom auf und können damit die Emissionen auf nahezu null senken. Warum die Nutzung von Landstrom im Hamburger Hafen insgesamt aber eine Ausnahme bei den vielen hundert Schiffen ist, muss man wohl andere fragen. Ein Problem ist sicherlich auch die Preisfrage. Der Strom wird durch die Energieumlage und Durchleitungskosten extrem teuer gehalten. Da sind also nicht allein die Reeder gefragt, sondern auch die europäische Preispolitik, damit solche umweltfreundlichen Technologien zukünftig häufiger zum Einsatz kommen.

© AIDA Cruises

Wie sieht es an Bord mit dem Thema Umweltschutz aus – zum Beispiel bei Lebensmitteln und Verpackungen?

KUNZE: Wir legen seit 2007 ganz transparent alle Vorgänge an Land und auf den Schiffen in unserem Nachhaltigkeitsbericht offen. Wir berichten zum Beispiel über die kontinuierliche Einsparung von Treibstoff, das möglichst vollständige Recycling aller Wertstoffe an Bord, den effektiven Einsatz von Wasser und Abwasser und den vorbildlichen Umgang mit allen weiteren Ressourcen. Es gibt zudem einen Umweltoffizier auf den Schiffen, der allein dafür verantwortlich ist, diese Richtlinien umzusetzen und die Mannschaft auszubilden. Das betrifft auch den Wertstoffkreislauf. Plastik wird man an Bord nur noch wenig finden; außer es ist aus hygienischen oder aus Sicherheitsgründen notwendig. Single-use-Plastik, also Wegwerf-Plastik, gibt es an Bord unserer Schiffe gar nicht mehr. Es ist immer ein Zusammenspiel aus Schiffsbetrieb, Einkauf, der Mannschaft, aber auch den Gästen, die wir für das Thema ebenso sensibilisieren wollen.

Ist den Gästen das Umweltthema wichtig?

KUNZE: Wir bekommen ein positives Feedback von vielen unserer Gäste. In erster Linie sind die Gäste aber an Bord, um einen fantastischen Urlaub zu erleben. Sie vertrauen uns, dass wir verantwortungsvolle Vorbereitungen und Schritte unternehmen, die möglichst naturschonend sind. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst!

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Jacqueline Werzinger
Vor Ihrem Start bei der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale sammelte Jaqueline Werzinger Ihre ersten Kreuzfahrt-Eindrücke in der Zentrale von AIDA in Rostock. Kein Wunder also, dass sie Feuer und Flamme für die Schiffe mit dem Kussmund ist. Unzählige Reisen hat sie bereits persönlich an Bord dieser Schiffe verbracht und kennt so auch den ein oder anderen Geheimtipp für den Urlaub an Bord. Neben Ihrem Wissen im Hochseebereich entdeckt die ausgewiesene Kreuzfahrt-Expertin auch immer mehr die Faszination der Flusskreuzfahrten.

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