Talk like a pirate day – Wie die Piraterie die Schiffsfahrt prägte

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pirate day piraterie und schiffahrt
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Der International Talk like a pirate day ist zugegeben ein nicht ganz ernst zu nehmender Feiertag, der jährlich am 19. September stattfindet. Der Piratentag wurde 1995 von zwei Amerikanern ins Leben gerufen, die spaßig vom Goldenen Zeitalter der Piraterie schwärmen und dazu aufrufen, an diesem Tag ausschließlich in Piratensprache zu reden. Wie sich die Sprache der einstigen Freibeuter anhören soll, wissen wohl nur die Beiden. Dennoch hat der Talk like a pirate day unter so manchen Spaßvögeln Anklang gefunden und auch wir nehmen den originellen Tag zum Anlass, uns einmal näher, manchmal auch humorvoll, mit dem Thema Piraten zu beschäftigen. Wie hat die Piraterie die Schifffahrt eigentlich geprägt?

Das Piratenzeitalter und die heutige Schifffahrt

Sind so manche Dinge aus dem Piratenzeitalter bis heute in der Schifffahrt geblieben? In der Tat gibt es einige Ähnlichkeiten. So bestand die Besatzung eines Piratenschiffes beispielsweise aus einem Kapitän, einem Quartiersmeister, einem Koch und der Mannschaft. Ganz ähnlich wie heute übernahm einer das Kommando und auch für die Verpflegung war natürlich jemand zuständig. Zum Glück werden Sie auf einer heutigen Kreuzfahrt nicht mehr vom Piratensmutje in der Schiffskombüse bekocht, denn dann gäbe es wahrscheinlich nur trockenes Zwieback und Dörrfleisch – natürlich kein Vergleich mit den heutigen Gourmet-Kreationen des Schiffskochs. Die Mannschaft setzte sich im Piratenzeitalter aus Angehörigen unterschiedlichster Nationalitäten zusammen, genau wie heute, denn auch die Bordcrew der modernen Kreuzfahrtschiffe besteht aus Menschen ganz verschiedener Herkunft. Übrigens waren auch damals schon vereinzelt Frauen als Piratinnen mit an Bord. Die Freibeuter waren also in puncto Gleichberechtigung ziemlich modern. Zur Unterhaltung gab es Tanz und Musik und natürlich den ein oder anderen Tropfen Wein und Bier.

Heute geht es selbstverständlich nicht mehr ganz so ausschweifend zu wie früher. Trinkgelage gibt es nicht mehr, aber das Angebot an Partys, Bars und Diskotheken ist groß, denn heute wie früher wird eben gern gefeiert. Noch ein Überbleibsel aus der Piratenzeit – das Glücksspiel. Viele Piraten waren leidenschaftliche Spieler und verprassten zum Teil ihr gesamtes Hab und Gut bei abendlichen Karten- und Würfelspielen. Bankrott gehen wird heute an Bord der modernen Kreuzfahrtschiffe wohl keiner. Dennoch ist das Glücksspiel nach wie vor ein fester Bestandteil des Entertainment-Angebots, denn auf jedem großen Ozeanliner finden Sie ganz sicher ein Kasino. Ansonsten war das Piratenleben auf dem Schiff ziemlich harte Arbeit, angefangen beim Segel setzen über die Gefechte mit anderen Schiffen bis zu Reparaturen, die durch Wind und Wetter häufig anfielen. Auch heute noch ist die Arbeit auf dem Kreuzfahrtschiff eine anstrengende Job-Wahl. Schließlich macht die Bordcrew keinen Urlaub, sondern bereitet den Gästen ein möglichst unvergessliches Urlaubserlebnis.

Gibt es noch Piraten und muss ich mir auf einer Kreuzfahrt Sorgen machen?

Die Piraterie begleitet die Schifffahrt von Beginn an und ist auch heute nicht von den Weltmeeren wegzudenken. Statt der einstigen Freibeuter, an die wir in einer etwas romantischen Vorstellung mit Augenklappe, Holzbein und Säbel denken, handelt es sich heute um schwer bewaffnete Angreifer, die Handelsschiffe kapern und meist Geiseln zum Erpressen von Lösegeld nehmen. Die Vorgehensweise hat sich damit kaum verändert, eben nur auf modernere, zeitgemäße Art – Geiselnahme, Diebstahl, Mord und Erpressung sind die klassischen Delikte. Die gewerbsmäßige Piraterie ist vor allem dort verbreitet, wo es nur einen geringen Küstenschutz und kaum geordnete Staats- oder Strafverfolgungssysteme gibt. Daher waren Piraten vor einigen Jahren insbesondere im Golf von Aden, im Seegebiet vor der somalischen Küste und im Arabischen Meer aktiv.

pirate day piratenschiff in fahrt
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Die zeitweise täglichen Berichte über Piratenüberfälle und Geiselnahmen vor Somalia sind vielen wohl noch in Erinnerung geblieben. So wurden im Jahr 2007 laut International Maritime Bureau (IBM) 263 Übergriffe und rund 300 Geiselnahmen weltweit verzeichnet. Inzwischen ist die Piraterie in dem Gebiet zwischen Afrika, Arabien und Indien durch verschiedene Schutzmaßnahmen nahezu zum Erliegen gekommen, angefangen bei einem stärkeren Eigenschutz der Handelsschiffe über den Einsatz von bewaffneten Sicherheitsleuten an Bord bis zur multinationalen EU-Mission Atlanta, die 2008 zur Bekämpfung der Seeräuber ins Leben gerufen wurde. Dennoch ist die Gefahr nicht gebannt, vor allem mit Blick auf die Seegebiete in Südasien, Indien und Nigeria. So gab es im Jahr 2015 allein in den Gewässern vor Indonesiens Küste 108 Piratenangriffe. Weltweit waren es insgesamt 246 Überfälle, bei denen 271 Seeleute in Geiselhaft genommen wurden. Nach wie vor liegt der Grund in den nicht ausreichenden Schutzmaßnahmen, da Küstenwachen oder internationale Marineeinheiten in den stark betroffenen Seegebieten immer noch fehlen.

Neben der Vorfreude auf die Kreuzfahrt kommt bei einigen Passagieren sicherlich auch die Frage auf, ob an Bord eine Gefahr durch Piraten lauert. Wer ängstlich ist, kann beruhigt sein – ein Überfall ist eher unwahrscheinlich, da sich die Seeräuber auf Handelsschiffe konzentrieren. So sind den neusten Zahlen zufolge vor allem Tankschiffe für Chemieprodukte und Massengutfrachter betroffen. Selbst Containerschiffe werden eher selten attackiert, da sie mit einem vergleichsweise hohen Tempo durch gefährliche Seegebiete fahren. Auch die Kreuzfahrtschiffe sind im Vergleich zu Frachtschiffen schnell und wendig unterwegs und daher selten das Ziel von Piraten. Hinzu kommt die hohe Bordwand, die das Entern erschwert. Dennoch hat es in der Vergangenheit bereits einzelne Vorfälle gegeben, bei denen es Piraten auch auf Kreuzfahrtschiffe abgesehen hatten, allerdings immer mit glimpflichem Ausgang.

Piratenangriffe im Jahr 2015 weltweit

 

Land Anzahl
Indonesien 108
Vietnam 27
Nigeria 14
Malaysia 13
Indien 13

 

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Kirsten Fähmel
Als ausgewiesene Kreuzfahrt-Expertin kennt sich Kirsten Fähmel auf den Meeren dieser Welt aus. Ob AIDA, TUI Cruises, Costa oder MSC - zu allen großen Kreuzfahrtveranstaltern auf dem Markt kann sie wertvolle Tipps geben. Für Ihre private Reisen zieht es sie regelmäßig an Bord eines AIDA-Schiffes - und dabei bevorzugt ins Mittelmeer oder den hohen Norden.

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