Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen

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Das Unglück der Costa Concordia ist für viele unfassbar und hat zahlreiche Fragen aufgeworfen. Der Deutsche ReiseVerband (DRV) hat aus aktuellem Anlass auf Basis eigener Quellen, den Anmerkungen des European Cruise Council (ECC), der Cruise Line International Association (CLIA), Herrn Dr. Olaf Mager vom germanischen Lloyd sowie Herrn Prof. Dr. Sander Limant vom Institut für Nautik undmaritime Technologie der Fachhochschule Flensburg einen Katalog mit häufigen Fragen und Antworten zusammen gestellt. Die Kreuzfahrt-Zeitung veröffentlicht an dieser Stelle einen Auszug aus dem Schriftstück.

Sind Kreuzfahrtschiffe sicher?

Absolut. Kreuzfahrten sind äußerst sicher und Zwischenfälle sind ausgesprochen selten. Alle Kreuzfahrtschiffe müssen in Übereinstimmung mit den strikten Vorgaben des internationalen Rechts gebaut und betrieben werden. Diese Vorschriften werden von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), einer Unter-Organisation der Vereinten Nationen, in Kooperation mit der Branche und den nationalen Regierungen erarbeitet und kontinuierlich verbessert. Hinzu kommen spezifische Vorschriften.

Alle Schiffe, die die USA besuchen, müssen z. B. deren bundesrechtliche Vor-schriften beachten – unabhängig davon, unter welcher Flagge sie fahren. Ebenso müssen Schiffe, die entweder unter der Flagge der Europäischen Union oder innerhalb der Gewässer der Europäischen Union fahren, zusätzliche Vorschriften berücksichtigen, die spezifisch auf die Maximierung der Sicherheit der Passagiere und der Besatzung ausgerichtet sind. Zusätzlich zu den besonderen Vorgaben in den USA und der EU überprüfen und zertifizieren weltweit viele weitere Nationen, in deren Gewässern Kreuzfahrtschiffe fahren, die Schiffe mit Blick auf deren Übereinstimmung mit höheren Standards.

Das hohe Sicherheitsniveau der Kreuzfahrtbranche zeigt sich in ihrer hervorragenden Sicherheitsstatistik, die eine extrem niedrige Anzahl von Unfällen ausweist. Seit 2005 gab es bei fast 100 Millionen beförderten Kreuzfahrtpassagieren nur 16 Todesfälle zu beklagen. Dies entspricht weniger als 0,16 Opfern pro einer Million beförderter Passagiere.

Gibt es auch Sicherheitsvorschriften in Bezug auf die Konstruktion der Schiffe?

Jedes neu gebaute Kreuzfahrtschiff muss in der Lage sein, nach einem Brand oder Wasser-einbruch an Bord bis zu einem bestimmten Schweregrad der Beschädigung noch sicher einen Hafen anzulaufen. Dem Prinzip folgend, dass das Schiff sein eige-nes Rettungsboot sein soll, müssen für die Passagiere in diesen Fällen an Bord sichere Bereiche zur Verfügung stehen. Die Vorschrift für die sichere Rückkehr ist verankert im weltweit geltenden sogenannten SOLAS Abkommen (zum Schutz des menschlichen Lebens auf See). Sie bezieht sich auf kleinere Unfälle, die nur Teile des Schiffs in Mitleidenschaft ziehen, z. B. einen Kabinenbereich oder ein Deck in einem vertikalen Hauptabschnitt. Bei einem Großbrand an Bord oder einer ähnlichen Katastrophe muss das Schiff in der Regel evakuiert werden. Grundsätzlich ist es jedoch besser, die Passagiere, wenn irgend möglich, an Bord zu behalten, statt die Rettungsboote zu benutzen. Schiffe, die die neue Vorschrift erfüllen, werden in der Lage sein, mit vielen Vorfällen ohne Evakuierung fertig zu werden.

Wie werden Kapitäne ausgebildet?

Es gibt in Deutschland keine Ausbildung und kein Studium zum Kapitän. Zum Kapitän beruft ausschließlich die Reederei. Der Weg zur Führungskraft an Bord geht über Praxis und Erfahrung. In der Regel durchlaufen Seeleute verschiedene Positionen an Bord eines Schiffs, bevor sie sich zum Kapitän qualifizieren. Am Anfang steht in der Regel ein Praktikum. Anschließend wird oft eine duale Ausbildung zum Schiffsmechaniker absolviert. Viele Schiffsmechaniker gehen für zwei Jahre auf die Seefahrtschule oder drei Jahre auf die Fachhochschule und wählen zwischen technischer und nautischer Fachrichtung.

Wer die Fachhochschulreife besitzt, kann auch ein vierjähriges Hochschulstudium inklusive zweier Praxissemester belegen. Dies ist der schnellste Weg zum Befähigungszeugnis „nautischer oder technischer Wachoffizier“. Auf das Studium folgt die Praxis in verantwortungsvoller Position. Nach zwölf Monaten Seefahrtzeit als Wachoffizier kann das Befähigungszeugnis „Erster Offizier“ erworben werden. Wer sich mindestens weitere zwölf Monate auf hoher See als Erster Offizier bewährt hat, kann zum Kapitän ernannt werden. International unterliegen alle Kapitäne den Anforderungen der so genannten Standards of Training, Certification and Watchkeeping (STCW).

Wie werden die Crewmitarbeiter geschult?

Alle Besatzungsmitglieder werden entsprechend Ihrer Rolle in der „Musterliste“, welche von der Flaggenstaatsverwaltung genehmigt wird, geschult. Sobald Besatzungsmitglieder neu an Bord kommen, werden diese in ihre Aufgaben eingewiesen und mit dem Schiff und den an Bord vorhandenen Prozeduren gemäß ISM-Code (International Safety Management Code) vertraut gemacht.

Gibt es dafür auch ein Back-up?

Für alle modernen Kreuzfahrtschiffe ist es verpflichtend vorgeschrieben, dass sie mit einer Reihe von elektronischen Navigationsinstrumenten ausgerüstet sein müssen, die die korrekte Steuerung des Schiffs unterstützen. Die Minimalanforderungen für diese Ausrüstung sind im Kapitel V des SOLAS-Abkommens zu finden. Die meisten Kreuzfahrtschiffe überschreiten die bestehenden Vorschriften in dieser Hinsicht erheblich.

Was hat es mit den Seekarten auf sich?

Auf Kreuzfahrtschiffen wird über eine elektronische Seekarte der Kurs abgesteckt. Die aktuelle Position wird per GPS ermittelt und in der elektronischen Seekarte (ECDIS) geplottet. Ein integriertes Navigations-System (INS) koordiniert die Kommunikation der Geräte untereinander. Mit der Einführung automatischer Identifikationssysteme (Aussendung der eigenen Positionsdaten für andere Schiffe in der Umgebung) kann der Routenverlauf online verfolgt werden. Die verpflichtende Einführung von ECDIS wurde international 2009 beschlossen. Sie beginnt am 1. Juli 2012 und muss bis spätestens 2019 abgeschlossen sein. ECDIS warnt vor Unterwasserhindernissen und schlägt bei der Routenplanung unter Berücksichtigung des Tiefgangs sofort Alarm.

Sind Kreuzfahrtschiffe verpflichtet, Sicherheitsübungen mit den Passagieren auf jedem Schiff durchzuführen, um die Notfallpläne zu überprüfen?

Ja, innerhalb von 24 Stunden nach dem Ablegen des Schiffs. Dies ist eine Vorschrift des SOLAS-Abkommens. Diese Übungen helfen dabei sicherzustellen, dass die Passagiere mit den notwendigen Verfahren zum Verlassen des Schiffes und den Notfallplänen vertraut sind, dass sie üben, eine Rettungsweste anzulegen und andere Abläufe für den Notfall zu beachten. Alle Passagiere sind verpflichtet, an diesen Übungen teilzunehmen. Die Besatzung hat streng darauf zu achten, dass alle Passagiere an den Übungen teilnehmen.

Der komplette Fragen- und Antworten-Katalog ist einsehbar unter: http://www.drv.de/aktuelles

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Daniela Huil
Die Büroleiterin der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale liebt Kreuzfahrten und kann bereits auf unzählige eigens erlebte Kreuzfahrten zurückblicken. Am liebsten genießt Daniela Huil das Kreuzfahrtleben an Bord der Wohlfühlflotte von TUI Cruises. Besonders in Erinnerung bleibt aber die Reise mit der MS Europa 2 von Singapur bis Rangun: "Eine traumhafte Mischung aus Luxus pur auf dem Schiff und unvergesslichen Eindrücken - von der Dynamik Kuala Lumpurs über die religiöse Vielfalt Ranguns bis hin zur Exotik Indiens."

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