Prachtstücke der Ostsee

0
366
schiffersboote-liegen-am-strand-der-ostsee-bei-sonnenuntergang
© Sergei25 - shutterstock.com

Für die Deutschen ist sie die Ostsee, die Balten nennen sie Westsee – es kommt immer auf die Perspektive an. Sieben Länder erlebt man auf der elftägigen Kreuzfahrt über das Mare Balticum und genießt dabei jede Hafenstadt auf ihre ganz eigene Art.

Sonniger Start

Aida Sol Es ist der vorletzte Tag im Mai dieses Jahres, als sich die AIDAsol von Warnemünde aus auf den Weg macht. Die Abendsonne und der legendäre Sail-Away-Song von Enya bieten eine perfekte Kulisse, während kleine Yachten die Kussmundschönheit noch ein Stückchen begleiten. Zeit für das Abendessen – bei dem schönen Wetter natürlich draußen! An großen, runden Tischen gesellt man sich auf der Terrasse des „Bella Donna“ zu den Mitreisenden, und schnell entspinnt sich die Unterhaltung über die Anreise, den bequemen Shuttle-Service, das einfache Einchecken und das tolle Wetter. Anschließend wird das Schiff erkundet – bis ganz nach oben, um schon mal die Wellness-Möglichkeiten ins Auge zu fassen, denn morgen ist ein Seetag. Der Abend endet schwungvoll mit der Show „Nightfever“ und einem Drink in der AIDA Bar.

Ein Seetag zum Start ist stets perfekt, um sich mit allem vertraut zu machen. Erst mal in das Fitnesscenter und „etwas tun“: Alle Bereiche an Bord sind sehr offen gestaltet und gehen fließend ineinander über, so auch die Sportzone mit ihren Geräten und der Übungsfläche für Kurse – Meerblick inklusive. Zum Mittag italienisches Buffet im Bella Donna Restaurant, anschließend relaxen im Wellness-Bereich. Der Besuch der Sauna ist frei, es gibt einen kostenfreien und einen kostenpflichtigen Relax-Bereich für 24 Euro am Tag mit noch mehr Liegeflächen – für Gäste der Spa Suiten ist die Nutzung inklusive. Abends dann asiatische Kost im East – das ruhigste Inklusiv-Restaurant von allen mit einem sehr aufmerksamen Service.

Kunsthandwerk in Tallinn

Kirche in TallinnFast zeitgleich mit der MSC Orchestra legt die AIDAsol in Tallinn an. Wer die Stadt auf eigene Faust erkunden möchte, ist in 15 Minuten in der Altstadt. Der Weg führt an der Dicken Margarethe vorbei, einem alten Schutzturm. Auf dem Marktplatz werden mundgeblasenes Glas und handgetöpferte Schalen feil geboten, in den kleinen Lädchen wimmelt es von Leinendecken, Pullis, Marzipan, Holzschalen und Bernstein.

Die Cafés am Rathausplatz laden ebenso zu einem Besuch ein wie die Ratsapotheke, die älteste Apotheke der Welt aus dem Jahr 1422. Sie beherbergt heute noch eine aktiv tätige Apotheke und einen historischen Museumsteil.

Zwei Tage in St. Petersburg

Katharinenpalast St. PetersburgAuch wenn man sich gerne selbst organisiert, für St. Petersburg ist es vorteilhaft, die über AIDA angebotenen Ausflüge wahrzunehmen, da hier auch das Visum inklusive ist. Zunächst führt der Bus zu einer Anlegestelle an der Newa, wo ein Ausflugsboot wartet. Gemütlich über den Fluss tuckernd erlebt man die Sehenswürdigkeiten der Stadt, unter anderem das Winter- und das Marmorpalais, die Erlöserkirche und die Admiralität. Nachmittags fährt der Bus zum Katharinenpalais. Jeder Raum ist ein Kunstwerk für sich: Stuck, Gold, Puttenengel und aufwändige Wandgemälde überall – und als Höhepunkt das Bernsteinzimmer mit seinen kunstvollen Intarsien. Fast ebenso schön ist ein Spaziergang durch den großen Park. Was für ein Glück, dass gerade eine Gruppe Tenöre in einem kleinen Seepavillon singt!

Auch der Folgetag ist der Stadt des Zarenzaubers gewidmet. Der Bus fährt hinaus zur Eremitage, begleitet von Gesängen und Gedichten des engagierten Reiseführers. In der Eremitage selbst erweist er sich dazu noch als kundiger Kunstkenner und zeigt einen repräsentativen Querschnitt der riesigen Sammlung. Natürlich wollen alle die berühmte Impressionismus-Sammlung von Monet bis Signac sehen, aber genauso kommen die Alten Meister und die ägyptische Ausstellung zum Zuge. Die Eremitage ist so groß, dass man hier spielend auch eine ganze Woche verbringen könnte.

Modernes Helsinki

Helsinki – eine moderne Metropole als Kontrastprogramm zu den vielen historischen Eindrücken. 20 Minuten dauert der Fußweg vom Anleger in die Stadt, und weiter geht es in das Viertel Töölö zur Felsenkirche. Tonnenweise wurde hier Granit herausgesprengt, um die moderne Kirche nach den Plänen der Architekten-Brüder Timo und Tuomo Suomalainen 1969 fertig zu stellen. Ebenso sehenswert ist der großzügige Senatsplatz mit dem Regierungspalais und dem Universitätsgebäude. Tipp: Ein Blick in die Universitätsbibliothek mit ihren vielen antiken Büchern lohnt sich! Wunderbar stärkend ist ein Besuch im Café Ekberg, dem ältesten Café der Stadt. Hier kann man bei Sonnenschein draußen sitzen.

Wassertaxen in Stockholm

Altes Schloss in StockholmDer siebte Tag der Reise ist Stockholm gewidmet. Das Schiff liegt wieder einen Fußmarsch von 20 Minuten von der Innenstadt entfernt, noch praktischer ist allerdings ein Tagesticket für eines der zahlreichen Wassertaxen, das für umgerechnet zehn Euro zu haben ist. Das Moderne Museum hat nicht nur eine tolle Sammlung von Léger über Kandinski bis Man Ray, sondern auch einen idyllischen Kaffeegarten, der zur Pause einlädt. Viele besuchen alternativ das Vasa-Museum, in der das berühmte schwedische Kriegsschiff zu bewundern ist, das bei seiner Jungfernfahrt sank. Ein weiteres Highlight ist das alte Schloss, das durch seine graue Fassade äußerlich nicht sonderlich attraktiv wirkt, dafür ist jedoch innen alles auf Hochglanz poliert. Besonders sehenswert ist ein modern eingerichtetes Zimmer mit Gegenständen zeitgenössischer Künstler und Designer. Noch heute finden in den Räumen repräsentative Empfänge statt. Sehr touristisch und mit vielen Bierkneipen präsentiert sich die Altstadt Gamla Stan. Wer individuelle Gastronomie und Bars am Abend bevorzugt, wird in dem Viertel oberhalb des Anlegers fündig.

Erst am nächsten Morgen verlässt die AIDAsol die Stadt – ein Seetag! Nach den vielfältigen Eindrücken ist diese Lauf- und Augenpause mehr als überfällig! Zeit für den Wellness-Bereich, den Liegestuhl und den Urlaubsschmöker.

Zauberhaftes Danzig

Blick auf das Goldene Tor in DanzigGdingen grüßt pünktlich um 08:00 Uhr des neunten Reisetages. Zehn Minuten vom Kreuzfahrt-Anleger entfernt gibt es eine Haltestelle, von der aus regelmäßig S-Bahnen in gut 30 Minuten nach Danzig fahren. Wichtig: Man sollte unbedingt Zloty dabei haben, da es hier keine Wechsel-Möglichkeit gibt. Der nächste Umtauschpunkt ist ansonsten am Hauptbahnhof von Gdingen, der jedoch weiter vom Schiff entfernt ist. Für umgerechnet nicht einmal zwei Euro fährt die S-Bahn in die wunderschön restaurierte Stadt. Danzig ist von einer langen Geschichte geprägt, die mit den Goten beginnt, wie alte Gräberfunde bekunden. Die baltischen Stämme beschäftigten sich hier später bereits eifrig mit der Bernsteingewinnung. Danzig war außerdem bis zum 17. Jahrhundert Hansestadt. Im zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der Stadt im Zuge von Kämpfen zerstört, Feuer gab ihr den Rest. Heute präsentiert sich Danzig fast komplett restauriert als feines Schmuckkästchen. Imposant sind die Stadttore wie das Hohe Tor, das Grüne Tor, das Goldene Tor oder das Krantor. Die Langgasse und der Lange Markt sind der reinste Augenschmaus mit liebevoll restaurierten Bürgerhäusern und einladenden Cafés. Einen interessanten Blick hinter die Kulissen bietet das Uphagen-Haus aus dem 18. Jahrhundert. Nach dem Krieg wurde es als deutsch-polnisches Projekt als Museum wieder aufgebaut und zeigt das einstige Leben der Bürgerfamilien. Weitere Highlights sind das Rechtsstädtische Rathaus und gleich um die Ecke der prächtige Artushof, der einst Versammlungsstädte der reichen Bürger war – und direkt davor der mit Seepferdchen und Delphinen geschmückte Neptunsbrunnen.  Um das Krantor an der Mottlau reihen sich kleine Boutiquen und Schmuckläden.

Design in Kopenhagen

Wachablösung am Schloss in KopenhagenKopenhagen lässt – wie auch alle anderen besuchten Ostseestädte, die Sonne lachen. Noch schnell ein Blick auf die von der Expo Shanghai heimgekehrte Meerjungfrau, und wenig später ist man am Schlossplatz, wo gerade die Wachablösung der königlichen Garde stattfindet. Vorbei an kleinen Designerboutiquen und skandinavischen Möbelläden geht es Richtung Nyhavn, wo bunte, restaurierte Häuser mit netten Cafés eine perfekte Symbiose mit Wasser und Schiffen bilden. Shoppingfans kommen bei Royal Copenhagen Porzellan am Amagertorv 6, im Designkaufhaus Illums Bolighus am Amagertorv 10 oder im Designerladen von Georg Jensen in der Ny Østergade 19 auf ihre Kosten. Nach dem Ablegen noch ein feierliches Abschiedsmenü im Restaurant Rossini an Bord – und am elften und letzten Tag der Reise heißt es dann Abschied nehmen von Warnemünde.


Teilen
Thomas Rolf
Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: "Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff."

Kommentieren Sie den Artikel

*