Östliches Mittelmeer: Kreuzfahrt mit der MSC Splendida

0
791
oestliches-mittelmeer
© ksl - shutterstock.com

Eine Kreuzfahrt durch das östliche Mittelmeer ist eine Begegnung mit Jahrtausende alten Wurzeln unserer Kultur. Nirgendwo sonst ballen sich Kultur, Geschichte und landschaftliche Höhepunkte wie zwischen Okzident und Orient.

MSC Splendida – die Glanzvolle

Für Reedereichef Pierfrancesco Vago ist die MSC Splendida „das schönste Schiff auf den Weltmeeren“. Auf jeden Fall ist es eines der beiden größten, die jemals für eine europäische Reederei gebaut wurden: 333 Meter lang, 38 Meter breit und fast 67 Meter hoch, hat es mehr Kabinen als das berühmte „Waldorf Astoria“ Gästezimmer: Es sind 1.637. Für die Passagiere kommt der erste Seetag nach dem Start in Genua gerade recht, gibt es auf 137.936 BRZ doch viel zu entdecken: ein 4-D-Kino, 4 Swimmingpools, 12 Whirlpools, 13 glamouröse Bars und nicht zuletzt der Formel-1-Simulator sind nur einige Beispiele der zahlreichen Attraktionen.

Katakolon

Die erste Station der Reise beginnt mit einem Ausflug in die Geschichte: Bereits 776 vor Christus hatten die Olympischen Spiele ihre Fans – 40.000 Sportbegeisterte wollten alle vier Jahre auf dem Peloponnes Glanzleistungen sehen und ihren Göttern huldigen. Rund eintausend Jahre später wurde Olympia nach verheerenden Erdbeben zerstört und von schlammigen Fluten begraben. Tief unter der Erde schlummerten fortan Paläste, Altäre und eines der sieben Weltwunder der Antike, eine 12 Meter hohe Zeus-Statue aus Gold und Elfenbein. Bis 1875 deutsche Archäologen mit ihren Ausgrabungen begannen. Der Kreuzfahrturlauber von heute erkennt im Stadion noch deutlich Start- und Ziellinie für den damaligen Wettlauf – exakt 192,28 Meter liegen dazwischen. Seit 1936 wird vor den Ruinen des Hera-Tempels die olympische Flamme mittels Parabolspiegel und Sonnenstrahlen entfacht.

Ashdod

Nach einem weiteren Seetag ist Israel erreicht. Vom Ölberg aus hat man einen atemberaubenden Blick auf Jerusalem und den Garten Gethsemane. Auf Schusters Rappen geht es entlang der Via Dolorosa, vorbei an Grabeskirche und Klagemauer. In der Geburtskirche von Bethlehem markiert ein silberner Stern den angeblich exakten Geburtsort Jesu. Beinahe 40 christliche Konfessionen haben ihre heiligen Stätten in Jerusalem angesiedelt und flankieren unseren Weg. Allein um die Kirche zum Heiligen Grab streiten sich sechs der Hauptströmungen. Weniger religiös Interessierte erkunden per Jeep die Wüste von Judäa – oder baden im Toten Meer. Dessen Salzgehalt zwischen 28 und 33 Prozent sorgt für Auftrieb und trägt den menschlichen Körper – und soll zudem noch bei Hautkrankheiten helfen.

Alexandria

„Ihre Erde ist aus Gold, ihr Nil ist ein Wunder, ihre Frauen sind wie schwarzäugige Jungfrauen aus dem Paradies, ihre Häuser sind Paläste, ihre Luft ist weich und duftend wie Aloeholz. Und wie könnte Kairo anders sein, ist es doch die Mutter der Welt.“ So steht es in den Geschichten aus 1001 Nacht geschrieben. Am Rande der Millionenstadt erheben sich die berühmtesten Pyramiden der Welt. Für die 146 Meter hohe Cheops wurden über 2,5 Millionen, bis zu fünfzehn Tonnen schwere Steinquader verbaut. Gleich daneben die – etwas kleineren – von Chephren und Mykernios, Sohn und Enkel Cheops. Vor den Grabmälern wacht die rätselhafte Sphinx, halb Mensch, halb Tier. Wem der ganztägige, vom Besuch des Ägyptischen Museums und einer Papyrusfabrik unterbrochene Trip zu anstrengend ist, hat die Qual der Wahl zwischen einem Ganztagsausflug ins Wadi El Natrun, einer 30 Kilometer langen und acht Kilometer breiten Landsenke inmitten der Wüste, fährt zu den Gedenkstätten von El Alamein oder bummelt ganz einfach entlang Alexandrias Uferpromenade zum Palast von Montazah, dem früheren Sommersitz der Könige.

Genussreicher Seetag

Höchste Zeit, dem Küchenchef einmal über die Schulter zu schauen: In den vier Restaurants werden täglich vierzehn verschiedene Menüs serviert. Das „Santa Fe“ offeriert mexikanische Spezialitäten, das „L’Olivo“ eine kulinarische Reise rund ums Mittelmeer. Eine Vorspeise aus Ägypten, Haute Cuisine aus Frankreich, ein zuckersüßes Dessert aus der Türkei. Beide berechnen à la carte, während in den Hauptrestaurants „Villa Verde“ und „La Reggia“ die Mahlzeiten inklusive sind.

Heraklion

Hohe Berge, tiefe Schluchten, fruchtbare Hochebenen, grüne Täler, Tropfsteinhöhlen, eine wild zerklüftete Felsküste mit langen Sand- und Kiesstränden oder verschwiegenen Buchten – Griechenlands größte Insel Kreta hat viel zu bieten. Türkische und venezianische Architektur in Chania, archäologische Ausgrabungsorte mit einer scheinbar noch immer allgegenwärtigen Götterwelt.

Die unter der Leitung von Sir Arthur Evans erfolgte Rekonstruierung des viertausend Jahre alten Knossos ist in Fachkreisen äußerst umstritten. Doch sie hilft dem Reisenden, sich die einstige labyrinthartige Komplexität der antiken Hauptstadt von König Minos vorzustellen und sich um Jahrtausende zurückversetzt zu fühlen. Auf einem Hügel über dem Messara-Tal liegt an der Südküste Knossos schöne Stiefschwester, der Palast Phaistos von Minos‘ Bruder Radamanthys.

Tunis (La Goulette)

Nach einem Seetag ist Tunesien erreicht. In den Souks von Tunis herrscht reges Treiben – lautstark, farbenfroh und voller exotischer Gerüche. Gleich neben der im 8. Jahrhundert von arabischen Eroberern gegründeten Zitouna Moschee finden sich die Märkte der Gold- und Silber-, der Kappen- und Parfümhändler, weiter entfernt die der Eisen- und Kupferschmiede.

Die Säulen der Gebetshalle stammen aus dem nahe liegenden antiken Karthago, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Hoch auf einem Kliff am Golf von Tunis thront das malerische Sidi Bou Said. Kleine Gässchen schlängeln sich durch die Altstadt mit ihren weiß getünchten Häusern, blauen Türen und verschnörkelten Fensterziergittern.

Auf Betreiben von Baron Rodolphe d‘Erlanger, einem französischen Bankierssohn deutschen Ursprungs, wurde das Städtchen 1915 unter Denkmalschutz gestellt, und bis heute müssen alle Neubauten im gleichen maurischen Stil der weißen, kubischen Häuser gebaut werden.

Neapel

Für die einen ist es die lauteste und chaotischste Stadt Italiens, für die anderen die schönste und lebendigste. Am Fuße des Vesuvs gelegen, ist sie so impulsiv wie der Vulkan selbst, und die Bewohner sind so lebhaft wie sonst kaum in Italien. Zwischen flatternder Wäsche und laut feilschenden Fischverkäufern offenbart sich dem Besucher noch heute alte neapolitanische Volkskultur.

Die Altstadt mit ihren engen, zu geheimnisvollen Kirchen, Katakomben und unterirdischen Höhlen führenden Gassen wurde längst von der UNESCO zum Kulturerbe erklärt. Vom Castello S. Elmo genießt man einen phantastischen Blick über die Stadt, auf den Vesuv und das Meer. Ironischerweise hat eine der größten Katastrophen der Antike dazu geführt, dass in Pompeji die Zeit stehen geblieben ist und der angebotene Ausflug noch heute einen Einblick in das Leben im Jahre 79 nach Christi gibt. Voller Eindrücke heißt es nach zwölf Tagen „Leinen los, Kurs Genua“.

Teilen
Thomas Rolf
Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: "Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff."

Kommentieren Sie den Artikel

*