Skandal um den Umzug der deutschen Meyer Werft nach Luxemburg

0
307

Der deutsche Papenburger Schiffsbaukonzern „Meyer Werft“ plant seinen Unternehmenssitz von Deutschland nach Luxemburg zu verlagern. Entrüstung und Ärger seitens der niedersächsischen Landesregierung und Wirtschaftsminister Olaf Lies führten zu heftigen Debatten. Durch Einigung zu einem Moratorium sind die Umzugspläne der erfolgreichen Werft vorerst stillgelegt.

Politischer Ärger um die Umzugspläne

Der geplante Umzug des Verwaltungssitzes der Papenburger Meyer Werft in das Großherzogtum Luxemburg löste nach öffentlicher Bekanntgabe Ende Juni 2015 heftigen Ärger bei der niedersächsischen Landesregierung und beim Wirtschaftsministerium aus. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), Gewerkschaften und die Landesregierung zeigten sich höchst empört. Sie sind verärgert, dass Werftchef Bernard Meyer plant, die Konzernführung künftig von der Meyer Neptun GmbH Luxemburg kontrollieren zu lassen. Zudem sind Überlegungen zu Veränderungen der Unternehmensstruktur im Gespräch.

Im Hintergrund des Streits stehen wirtschaftliche Interessen und Befürchtungen. Die Meyer Werft betreibt immerhin neben der Werft in Papenburg mit 3000 Arbeitsplätzen zwei weitere Werften in Rostock sowie in Turku/Finnland. Des Weiteren verantwortet der Konzern 10.000 Jobs bei Zulieferern. Das erfolgreiche Unternehmen ist mit aktuell neuen Großaufträgen wie zwei neue gigantische Kreuzfahrtschiffe für Aida zum Bau in Papenburg bis 2020 ausgelastet. Es existieren auch Aufträge zum Bau von 2 Kreuzfahrtschiffen für Tui Cruises. Diese wurden jetzt in der Werft Meyer Turku in Finnland bestellt. Die deutsche Regierung erwartet, dass die Meyer Werft in Deutschland bleibt. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil hofft und empfiehlt ein Umdenken des Konzernchefs Bernard Meyer.

Scheinheilige Empörung der Landesregierung

Die plötzliche Empörung und laute Kritik der überwiegend sozialdemokratischen Landesregierung bei der öffentlichen Bekanntgabe wurde von der CDU als dreist empfunden. Am vierten Juni informierte Bernard Meyer auf dem 6. parlamentarischen Abend die Spitze der Landesregierung über die Umzugspläne. An dem Gespräch nahmen der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies, Ministerpräsident Stephan Weil und Fraktionschefin der SPD Johanne Modder teil. Sie kritisierten es deutlich.

Die CDU vermutet in dem scheinheiligen Verhalten der Landesregierung eine Ablenkung. Diese hätte schon nach Kenntnis des Umzugsvorhabens reagieren müssen und mit der Konzernleitung über potenzielle Konsequenzen sprechen sollen. Die Landesregierung hatte die Information „nur“ als Überlegung ausgelegt und empfahl Bernard Meyer wieder davon Abstand zu nehmen. Allerdings hatte der Konzernchef zu diesem Zeitpunkt schon bereits zwei Tochtergesellschaften in Luxemburg gegründet.

luxemburg-kirche
© Grisha Bruev – shutterstock.com

Gründe der Meyer Werft zum Umzug des Verwaltungssitzes

Die Werft begründet die Umzugspläne des Verwaltungssitzes nach Luxemburg damit, dass in dem Großherzogtum kein Aufsichtsrat nötig sei. Dadurch könne das Unternehmen schnellere und flexiblere Entscheidungen treffen. Ziel ist es, international konkurrenzfähig zu sein. Des Weiteren ist in Luxemburg die Ansiedlung des zentralen Einkaufs geplant. Die Werft versichert, dass dahinter keine steuerlichen Motive stecken und die Umsiedlung kein Steuersparkonzept darstellt. Die Steuern sollen weiterhin in Papenburg, Rostock und Turku bezahlt werden.

Moratorium: Umzugspläne der Meyer Werft vorerst auf Eis gelegt

In den letzten Tagen fanden Debatten zwischen dem Firmenchef Bernard Meyer, dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sowie Vertretern der Gewerkschaft IG Metall und des Betriebsrates statt. Das Ergebnis ist die Einigung zu einem Moratorium (Abkommen zum Aufschub von etwas Beschlossenem) bis September. Damit ist das Vorhaben des Umzugs der Werftleitung nach Luxemburg vorerst auf Eis gelegt. Von der Meyer Werft war eigentlich geplant, sich in den nächsten Tagen nach passenden Büros in Luxemburg für den Verwaltungssitz umzusehen. Das Unternehmen wird jetzt jedoch bis dahin nicht operativ tätig, wie das Wirtschaftsministerium in Hannover mitteilte. Bis September solle geklärt werden, warum die Werft den Verwaltungssitz nach Luxemburg verlegt. Laut Bernard Meyer sollen während dieser Zeit Diskussionen darüber geführt werden, was das Unternehmen nach vorne bringe.

Teilen
Julia Korte
Kreuzfahrten sind Ihre Leidenschaft - egal ob auf dem Meer oder dem Fluss. Sie fasziniert diese Urlaubsform, da es die Möglichkeit gibt, innerhalb weniger Tage viele verschiedene Orte zu besuchen und dabei sein Hotelzimmer immer dabei zu haben. Einmal den Koffer auspacken und dann rundum genießen - das gefällt! Neben den großen Kreuzfahrt-Reedereien hat Julia Korte aber auch die "Nischenprodukte" für sich entdeckt - Hurtigruten steht dabei ganz oben auf der Liste.

Kommentieren Sie den Artikel

*