Leser der Kreuzfahrt-Zeitung berichten: Hoch hinauf bis nach Spitzbergen

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© ginger_polina_bublik - shutterstock.com

„Wer einmal Eis gerochen, geschmeckt und gefühlt hat, den lässt es nicht mehr los“, sagte einst Lektor Sven Achtermann zu Jutta (57) und Manfred (60) Lohsträter. Und so kam es, wie es kommen musste…

Inzwischen haben die beiden Osnabrücker etliche Reisen in den hohen Norden unternommen – sind immer noch nicht „satt“. In guter Erinnerung ist ihnen eine Reise mit der Albatros, die sie hoch hinauf bis nach Spitzbergen führte.

 

Wasserfälle & Wikingererbe

Es war im August, als sie von Bremerhaven bei schönstem Hochsommerwetter aufbrachen, mit dicken Jacken im Gepäck. Der erste lange Schlag führte sie zu den Orkney-Inseln, wo sie bei einem Halbtagsausflug unter anderem die Stones of Stenness, neolithische Steinmonumente, besichtigten. Die nächste Station war Reykjavik. Auf einem Ganztagesausflug lernten sie isländische Naturschauspiele kennen: Sie beobachteten, wie sich ein Geysir langsam von einem kleinen Pilz zu einer immensen Fontäne aufbaute. Sie erlebten den majestätischen Wasserfall „Gullfoss“, der sich über zwei Kaskaden in eine 70 Meter tiefe Schlucht stürzte. Durch seine enorme Fließgeschwindigkeit wurden die
Urlauber in eine Wolke aus aufwirbelnder Gischt eingehüllt.

Als dritte Sehenswürdigkeit besuchten sie den Nationalpark  Þingvellir. Zu Zeiten der Wikinger war dies ein zentraler Verkehrsknotenpunkt sowie der Ort, an dem die jährlichen Volksversammlungen abgehalten wurden. Da dort die Erdplatten Amerikas und Europas aufeinander treffen, kann man auf beiden Kontinenten zugleich stehen. 2004 wurde der Park auf die Liste des Unesco Weltkulturerbes gesetzt. „Für jemanden, der zum ersten Mal nach Island reist, ist dieser Ausflug ein absolutes Muss“, empfiehlt Jutta Lohsträter. Gut erinnert sich ihr Mann Manfred an einen Besuch im Café auf den Wasserspeichertürmen in Reykjavik, wo ihm und seiner Frau die Stadt zu Füßen lag.

Schwefel- und Lavafelder

Akureyri am Eyafjord im Norden Islands bot weitere Naturschönheiten auf einem Halbtagsausflug: Zuerst führte er zu den Schwefelfeldern, dann zum Godafoss-Wasserfall. Jutta Lohsträter beeindruckte  dieser fast noch mehr als der Gullfoss, weil er sich so ungestüm wie ein Wildwasserkanal in die Tiefe ergoss. Ein  Lavafeld, das wie ein Labyrinth verlief, war das dritte Schauspiel auf dieser Tour. Fast hatte man das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen vibrierte.

Beerenberg & Longyearbyen

An der Forscherinsel Jan Mayen vorbei führte die Fahrt der Albatros durch den Magdalenenfjord in Richtung Spitzbergen. Bei der Passage mitten in der Nacht riss plötzlich der Himmel auf: Strahlender Sonnenschein tauchte den 2.277 Meter hohen, vereisten Beerenberg, das Wahrzeichen der vulkanisch aktiven Insel, in ein fantastisches Licht.

Spitzbergen erlebten die Osnabrücker bei einem Spaziergang durch Longyearbyen. Die Stadt ist das Verwaltungszentrum der Inselgruppe und einer der nördlichsten Orte der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts gründete ein amerikanischer Unternehmer in Longyearbyen Steinkohlezechen, von denen heute allerdings nur noch eine vorhanden ist. Ansonsten lebt der Ort, der inzwischen auch über eine kleine Flaniermeile und einige Kneipen und Restaurants verfügt, vom Tourismus und der Forschung. Unter anderem befinden sich hier eine Außenstelle des Norwegischen Polarinstitutes (NPI) und UNIS, ein Projekt norwegischer Universitäten. Für viele Touristen ist Longyearbyen Ausgangs-punkt für Wanderungen auf den Hausberg oder Mountainbike-Touren, im Winter werden auch Hundeschlittenfahrten angeboten.

Nordkap bei Nacht

„Das war ein tolles Erlebnis, als wir das Nordkap bei Nacht von unten betrachteten“. Die Albatros umrundete das Nordkap zunächst in aller Ruhe, bevor die Gäste dann von Honningsvåg aus in Bussen direkt auf den nördlichen Aussichtspunkt gefahren wurden. Trotz Nieselregens hatten sie Sicht: „Wetter kann man eben nicht bestellen“, stellt Manfred Lohsträter nüchtern fest. Überhaupt nicht verstehen kann er Reisende, die sich nach einer Kreuzfahrt über Wind, Wellengang oder Regen beschweren: „Das ist doch unsere Natur.“

Dom mit Kaffeemaschine

„Ein wunderschönes Städtchen, am allerschönsten ist der Dom“, schwärmt Jutta Lohsträter: Tromsø ist mit gut 67.000 Einwohnern die größte Stadt im Norden Norwegens. Hier steht der nördlichste evangelische Dom. Außerdem ist es der einzige komplett aus Holz gebaute Dom von 1861 der norwegischen Staatskirche. Er verfügt über ein leicht ungewöhnliches Mobiliar, es gibt Spinde, Tische und Stühle sowie eine Kaffeemaschine. Der Grund dafür ist ein ganz praktischer: Früher kamen die Kirchenbesucher teils von weit her mit ihren Pferdewagen angereist. In der Kirche zog man sich um – schließlich wollte man in seinem Sonntagsstaat am Gottesdienst teilnehmen. Nach dem Gottesdienst aß die Gemeinde zusammen, daher die Tische und Stühle.

Eigenwillig zeigt sich auch die moderne Eismeerkathedrale mit dem größten Glasmosaik Europas. Nicht weit von hier liegt die Talstation der Seilbahn Fjellheisen, die auf den Hausberg von Tromsø fährt. Mit seinen 418 Metern bietet der Gipfel des
Storsteinens einen beeindruckenden Ausblick auf die Stadt, den Fjord und die Berglandschaft in der Umgebung.

Ein Vogelparadies

Genau das Richtige für Vogelkundler ist ein Ausflug über die Lofoten. Es gibt hier viele sachkundige Einheimische, die jeden Vogel fast mit Namen kennen und für Kundige und Neugierige geduldig die fliegenden Attraktionen die mit ihrem Teleskop aufspüren. Die Attraktion der Inseln sind die großen Vogelfelsen, die sich vor Røst im Süden bis nach Bjarkøy nördlich von Harstad an der Küste entlang reihen. Kaum zugänglich ragen die Brutfelsen 250 Meter steil aus dem Meer heraus. Die Artenvielfalt ist groß: Papageientaucher, Baßtölpel, Kormorane und mehr begeisterten die Reisenden.

Highlight Trollfjord

In den engen Trollfjord kommt nicht jedes Schiff. „Wir saßen beim Frühstück, und plötzlich wurde es dunkel“, erinnert sich Jutta Lohsträter, und ihr Mann ergänzt: „Mit einem Squashball hätte ich an die Felsen spielen können, so nah waren sie.“ Ganz bewusst wurde die Einfahrt vorher nicht angekündigt, denn nur bei ganz sicheren Witterungsbedingungen ist die Einfahrt möglich. Am Ende des Fjords liegt ein See, der gleichzeitig als Wendestelle dient. „Der Kapitän fährt bis auf drei Meter mit dem Bug an den Felsen heran, um das Heck herum zu bekommen“, staunt Manfred Lohsträter über die Präzision der Fahrweise.

Sieben  Schwestern

Als spektakulärste Erinnerung an den Geirangerfjord sind dem Ehepaar die Sieben Schwestern haften geblieben, der siebensträngige Wasserfall. An einer anderen Stelle schien es, als seien Gesichter in die Felsen eingemeißelt, ein wunderschönes Kunstwerk der Natur.

Ein besonderes Erlebnis war auch die Fahrt mit dem Bus hinauf auf den 1.500 Meter hohen Berg Dalsnibba, der oft im Sommer noch mit Schnee bedeckt ist. In Serpentinen wandt sich der Bus geduldig am Storfoss, dem größten Wasserfall im Geirangertal, vorbei, bis hoch hinauf zum Gipfel des Berges. Der Blick über Gletscher, Berge und den im Tal liegenden Fjord war beeindruckend. Die  Albatros wirkte aus dieser Perspektive wie ein Spielzeugschiff.

Fisch & Pulli

„Es war der schönste Fischmarkt, den ich je gesehen habe“, schwärmt Manfred Lohsträter mit verträumtem Gesicht von Bergen. „Hier ist der Fisch so frisch, dass man ihn nicht riecht. Wer hier kein Fischbrötchen ist, ist selber Schuld.“ Ein Norweger-Pullover, den er sich als Souvenir kaufte, erinnert ihn an den Markt. Natürlich durfte auch die Besichtigung der Bryggen, der hübsch bemalten, historischen Holzhäuser, nicht fehlen. Den letzten Abend verbrachten sie an ihrem Lieblingsplatz, Harry´s Bar, wo  sie inzwischen viele Freundschaften geschlossen hatten. Gern erinnern sie sich an die natürliche Gastfreundschaft des Personals und die familiäre Atmosphäre an Bord. Noch ein Absacker, und zurück ging es in den deutschen Sommer nach Bremerhaven.

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Jacqueline Werzinger
Vor Ihrem Start bei der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale sammelte Jaqueline Werzinger Ihre ersten Kreuzfahrt-Eindrücke in der Zentrale von AIDA in Rostock. Kein Wunder also, dass sie Feuer und Flamme für die Schiffe mit dem Kussmund ist. Unzählige Reisen hat sie bereits persönlich an Bord dieser Schiffe verbracht und kennt so auch den ein oder anderen Geheimtipp für den Urlaub an Bord. Neben Ihrem Wissen im Hochseebereich entdeckt die ausgewiesene Kreuzfahrt-Expertin auch immer mehr die Faszination der Flusskreuzfahrten.

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