Kreuzfahrten vor 100 Jahren – Wie die RMS Titanic die Schiffsfahrt geprägt hat

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rms titanic schiff vorm eisberg
© Michael Rosskothen - shutterstock.com

Vor über 100 Jahren sank die Titanic, eines der bekanntesten Passagierschiffe der Welt – ihr Mythos ist lebendiger als je zuvor und wird wohl nie untergehen. Nicht erst seit dem gleichnamigen, Oskar prämierten Hollywood-Film aus dem Jahr 1997 ist die Geschichte der legendären Titanic allseits bekannt, zumal der Ozeanriese nach wie vor eine ungeahnte Faszination ausübt und als Inbegriff für pompösen Glanz und eine dramatische Tragödie steht, für die Anfänge der Passagierschifffahrt über den Atlantik ebenso wie für menschliches Scheitern. Wie kaum ein anderes Schiff hat der Luxusliner nicht nur seine Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen, sondern auch die Schiffsfahrt geprägt. Wir blicken noch einmal auf den Untergang der Titanic und seine Auswirkungen zurück.

Die Jungfernfahrt wurde zur Katastrophe

Am 10. April 1912 brach die RMS Titanic, das damals größte Schiff der Welt, im Hafen von Southampton an der englischen Südküste zu ihrer Jungfernfahrt über den Atlantik bis nach New York auf und sollte die amerikanische Ostküste nie erreichen. Beim Auslaufen galt der imposante Transatlantikdampfer der britischen Reederei White Star Line mit seiner Länge von damals sehr beachtlichen 269 Metern als nahezu unsinkbar. Der Rumpf war mit 16 Unterteilungen konzipiert worden, deren Schotten sich bei einem Leck wasserdicht abschließen ließen. So sollte im Notfall ein Volllaufen des Schiffskörpers verhindert werden.

Es sollte anders kommen, als die Titanic am späten Abend des 14. Aprils 1912 mit einem Eisberg kollidierte und rund drei Stunden später im Nordatlantik versank. 1.514 der mehr als 2.200 Menschen an Bord starben beim Untergang – eine der größten Katastrophen der Schiffsfahrt aller Zeiten. Die Titanic verfügte über zu wenige Rettungsboote, um alle Passagiere sicher von Bord zu bringen. Hinzu kamen die Unzulänglichkeiten der Besatzungsmitglieder während der Evakuierung des Schiffes, die dazu führten, dass viele Boote nicht einmal annähernd voll besetzt von Bord gelassen wurden. Neben vielen der über 1.000 Passagiere der dritten Klasse, die in Amerika ein neues Leben beginnen wollten, kamen auch einige Angehörige der damaligen High Society ums Leben, die im Luxus der exklusiven First Class-Räumlichkeiten schwelgten.

Die International Convention for the Safety of Life at Sea

Durch den Untergang der Titanic erhielt das Thema der Sicherheit auf See eine erhöhte Aufmerksamkeit, da die Tragödie zum Anlass für mehrere Verbesserungsmaßnahmen genommen wurde. Dies spiegelte sich vor allem in einer internationalen Konferenz vom 12. November 1913 wider, die sich mit Mindeststandards zur Sicherheit auf Handelsschiffen beschäftigte. Vor dem Hintergrund der unlängst geschehenen Katastrophe resultierte aus dem Treffen die 1914 beschlossene, erste Fassung des Internationalen Übereinkommens zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, der International Convention for the Safety of Life at Sea. Diese enthielt Vorschriften hinsichtlich der Einrichtung einer Internationalen Eispatrouille, der Besetzung von Funkstationen und der Anzahl ausreichender Rettungsboote an Bord, die auf der Titanic noch den damals geltenden Gesetzen entsprochen hatte.

Der Ozeanriese war sogar mit mehr Rettungsbooten ausgestattet worden, als es die veralteten Vorschriften vorsahen. Die erforderliche Anzahl wurde nämlich nicht anhand der Personenzahl an Bord ermittelt, sondern von der Tonnage des Schiffes abgeleitet. Erst durch die Tragödie wurde diese Regelung geändert. Nicht zuletzt hat die Titanic die Schiffsfahrt insofern geprägt, als dass aufgrund ihres Untergangs die Internationale Eispatrouille im Jahr 1914 ins Leben gerufen wurde. Die Gesellschaft wird von der United States Coast Guard betrieben und ist seither mit der Überwachung von Eisbergen im nördlichen Atlantik betraut. Die beteiligten Staaten, darunter die USA, Kanada, Japan, Deutschland und weitere europäische Länder, erhalten regelmäßig Berichte über die Situation der Eisberge im Nordatlantik.

Ursprünglich als Reaktion auf den Untergang der RMS Titanic in der ersten Version entstanden, ist die UN-Konvention zur Schiffssicherheit heute in ihrer fünften Fassung aus dem Jahr 1974 in Kraft, ergänzt durch mehrere Erweiterungs- und Änderungsprotokolle (Amendments). Die erste Version aus dem Jahr 1914 wurde mehrfach verändert und diente somit als Grundlage für die heutige Konvention mit ihren 12 Kapiteln und diversen Erweiterungsprotokollen, von denen das vorerst Letzte seit dem 1. Januar 2013 gültig ist. Die internationalen Anforderungen sind in vielen Staaten in nationale Gesetze eingeflossen und enthalten Bestimmungen zu den Schiffstypen, der Konstruktion mit Blick auf die Stabilität, den Brandschutz und die Sicherheit, die Funk-Kommunikation und lebensrettende Geräte, die an Bord vorhanden sein müssen. Weitere Vorschriften, die auch Kreuzfahrtschiffe betreffen, thematisieren die Fracht, die Sicherheit der Navigation und das Einhalten des International Safety Management Codes.

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Daniela Huil
Die Büroleiterin der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale liebt Kreuzfahrten und kann bereits auf unzählige eigens erlebte Kreuzfahrten zurückblicken. Am liebsten genießt Daniela Huil das Kreuzfahrtleben an Bord der Wohlfühlflotte von TUI Cruises. Besonders in Erinnerung bleibt aber die Reise mit der MS Europa 2 von Singapur bis Rangun: "Eine traumhafte Mischung aus Luxus pur auf dem Schiff und unvergesslichen Eindrücken - von der Dynamik Kuala Lumpurs über die religiöse Vielfalt Ranguns bis hin zur Exotik Indiens."

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