Kanaren & Mittelmeer

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© wjarek - shutterstock.com

Detlef (53) und Marita (49) Schlie erlebten mitten im Winter eine sonnige Kreuzfahrt mit einer Kombination aus Mittelmeer und Kanaren – eine spannende Mischung aus Natur und Stadterlebnis.

Ankommen und ablegen

Früher, als Detlef Schlie für die Marine auf einem russischen Großsegler unterwegs war, dachte er: „Später, wenn ich mal alt bin, erfülle ich mir den Traum von einer Kreuzfahrt.“ Damals schienen ihm Schiffsreisen noch unerschwinglich zu sein – bis er eines Tages auf ein MSC-Angebot der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale stieß, bei dem Kinder kostenfrei in der Kabine der Eltern mitreisen durften. Seit dieser Zeit sind Detlef Schlie und seine Familie mit dem „Kreuzfahrt-Virus“ infiziert. Durch die vielen Schiffe und die hohe Nachfrage sind Kreuzfahrten inzwischen für jedermann zu einer günstigen Urlaubsform geworden – oft sogar günstiger als ein Hotelaufenthalt.

Am 09. Februar 2010 ging der Sozialpädagoge zum fünften Mal in Genua an Bord eines Schiffes, um mit seiner Frau auf der MSC Fantasia das Mittelmeer und die Kanaren zu erobern. Das war bereits die fünfte Kreuzfahrt der inzwischen „süchtig Gewordenen“. Die Anreise erfolgte mit dem Bus, das Einchecken war für die beiden Kreuzfahrt-Profis Routine, dann ging es ans Auspacken, zum Essen und zur obligatorischen Seenotrettungsübung. Im Nachhinein war Detlef Schlie froh, dass er eine Balkonkabine gebucht hatte, denn er und seine Frau konnten oft mehrere Stunden am Tag auf ihrem ganz persönlichen „Ausguck“ bei Sonnenschein in trauter Zweisamkeit sitzen und den Blick auf das Meer in privater Atmosphäre genießen. Abends verließ die Fantasia dann die italienische Hafenstadt Richtung Barcelona.

Barcelona per Bus

Die spanische Metropole erkundeten die Schlies mit einem der Sightseeing-Busse, die in der Nähe der Kreuzfahrtschiffe zu finden waren. Von den beiden verfügbaren Routen fiel die Wahl auf die Rundfahrt mit dem alten Olympiastadion, dem großen Fußballstadion und der Sagrada Familia von Gaudi, die das meist besuchte Bauwerk der Stadt ist. Ins internationale Gespräch kam die kolossale Kirche am 7. No-vember 2010, als Papst Benedikt XVI. sie weihte und zugleich zur päpstlichen Basilica minor erhob. Detlef und Marita Schlie hatten gar nicht genug Zeit, sich alle Sehenswürdigkeiten anzusehen, jedoch bot die Rundfahrt einen guten Überblick über die Attraktionen der Stadt. Und natürlich gönnten sie sich einen kleinen Spaziergang über die Rambla, die berühmte Pracht-strasse, saß noch drin.

Als sie zurück zum Hafen kamen, lagen ein Costa-Schiff, die Queen Mary 2 und die MSC Fantasia hintereinander an der Kaimauer, etwa 1.000 Meter Schiffe in der Gesamtlänge. Als absolutes Highlight erlebte Detlef Schlie das Ablegen, bei dem die Fantasia fast „auf Tuchfühlung“ mit der Queen Mary 2 ging – gerade einmal 50 Meter lagen zwischen den beiden Gigantinnen der Meere.

Abends dann eine riesige Über-raschung: Karneval an Bord!
Die Italiener hatten stilecht ihre venezianischen Kostüme dabei, und für alle Nicht-Verkleideten fand sich hier oder da noch ein buntes Käppchen. Hauptsache dabei sein! Durch das Schiff bewegte sich ein riesiger Umzug, von dem niemand wusste, woher er plötzlich aufgetaucht war. Es verbreitete sich sofort eine ansteckende Stimmung an Bord und alle, Karneval-Fans und Nicht-Verkleidete, bebten mit. Ein unvergessliches Erlebnis!

Seetage und Funchal

Da Detlef Schlie gerne Sport macht, kamen ihm die nächsten zwei Seetage sehr gelegen. Er und seine Frau frühstückten immer sehr früh, um die morgend-liche Ruhe im Speisesaal zu
genießen. Dann folgte das Freizeitprogramm aus Laufen, Fitnessstudio und ab und zu Tischtennis und Sauna. Marita Schlie nahm gern an der ein oder anderen Vorführung, wie etwa dem Obstschnitzen, teil. Als Inhaber der Goldkarte hatten sie das Privileg, einmal ein Mittag-essen gratis in einem der kostenpflichtigen Restaurants zu genießen.

Abends stand ansonsten immer das Restaurant Red Velvet fest auf dem Plan, wo sie ihren Tisch bei geselliger Unterhaltung mit zwei Ehepaaren teilten. Das Restaurant verbreitete eine ganz besondere Atmosphäre mit seinen tiefroten Medaillonstühlen, samtenen Wandverkleidungen und ebenfalls roten Teppichen – es wirkte gleichzeitig möndan und elegant.

Urwald-Stimmung

Und dann am nächsten Tag: Funchal auf Madeira. Besonders Marita Schlie als Blumenspezialistin schlug das Herz bei der geführten Tour durch die Gärten der Insel höher, denn ihren Job in einem großen Pflanzenhandel macht sie mit Leidenschaft. Ein Höhepunkt war die Abfahrt von dem höchsten Punkt der Insel mit einer Gondel durch die üppige Flora, die das Ehepaar als Urwald wahrnahm. Schier undurchdringlich erschien die üppige Natur. Im Vorbeifahren sahen sie auch noch die für Madeira typischen Korbschlitten, in denen man den Berg hinabfahren konnte – allerdings nur mit einem professionellen Lenker. Bereits im Februar war die Vegetation der grünen Insel in vollem Gange.

Baden bei 20 Grad

Am sechsten Tag war der Kopf so voll mit Eindrücken, dass auf Teneriffa erst mal Abschalten angesagt war. „Man kann nie alles sehen, aber zum Glück kann man immer wiederkommen“ ist das überzeugte Urlaubsmotto der Schlies. Hier und da tauschte man sich an Bord mit den anderen Kreuzfahrern aus und machte sich dann mit einer Gruppe per Bus auf zum etwa 10 Minuten entfernten Strand – natürlich nicht, ohne sich bei Ankunft die Rückfahrzeiten zu notieren. In einer wunderschönen Bucht konnten sie bei sommerlichen 20 Grad Celsius Wassertemperatur mitten im Winter baden.

Höhlen auf Lanzarote

Bis Arrecife war es ein kurzer Törn von nur 153 Seemeilen. Ein Ausflug führte zur Cueva de los Verdes, einer gigantischen, etwa ein Kilometer langen Höhle, die Teil eines der längsten Lavatunnel der Welt ist und früher den Inselbewohnern als Versteck bei Pirateninvasionen diente. Lanzarote war voll und ganz geprägt von der Lava und ihren dunklen Böden. Detlef Schlie: „Man wundert sich, was dort in den vielen kleinen Gärten und auf den Weinhängen so alles wächst.“

Balkon des Mittelmeeres

Die Schlies waren immer wieder erstaunt, wie sauber es überall in Spanien war, so auch auf Malaga, als sie nach einem Seetag auf der Fahrt zu den Höhlen von Nerja waren. Zwischendurch gab es einen Stopp an einem Aussichtspunkt, der „Balkon des Mittelmeeres“ genannt wurde und Detlef Schlie an eine italienische Piazza mit Traumaussicht auf das Mittelmeer erinnerte. Die Besichtigung der 1959 entdeckten Tropfsteinhöhlen beim Dörfchen „Nerja“ am Fuße der Sierra de Almijara mit ihren vielen Stalaktiten und Stalakniten bot einen nicht weniger überwältigenden Anblick. Vor dem Höhepunkt der Reise – Rom – folgte erst noch ein letzter Seetag.

Die ewige Stadt

Etwa 75 Kilometer trennen den Kreuzfahrtschiffanleger in Civitavecchia von Rom. Zur Besichtigung der Stadt buchten Detlef und Marita Schlie nur die Busfahrt, was sich als äußerst praktisch erwies, denn der Bus fuhr in eine riesige Tiefgarage, die gerade mal 100 Meter vom Petersplatz entfernt war. Schon beim Aussteigen wurden sie von einer Traube von Regenschirmverkäufern begrüßt – der erste feuchte Tag auf der Kreuzfahrt überhaupt sorgte für florierendes Geschäft. Doch da viele Bauwerke von innen besichtigt wurden, störte das „bisschen Regen“ kaum.

Die Pracht und Größe des Petersdomes versetzte Detlef und Marita Schlie in tiefes Staunen. Sie stiegen bis hinauf zur Kuppel und konnten die grandiosen Ausmaße der Kirche kaum fassen. Fußläufig konnten sie dann die „antike Runde“ gut ablaufen: das Colosseum, die Piazza Navona, den Trevi Brunnen, die Spanische Treppe, die Engelsburg und das Pantheon. Bei allem blieb immer noch genügend Zeit, den Petersplatz mit seinen 284 in vier Kolonnaden angeordneten Säulen auf sich wirken zu lassen. Nach einem langen Tag ging es zum letzten Abendessen mit den sympathischen Tischnachbarn und der letzten Show im Theater zurück nach Genua und von dort wieder mit dem Bus und begeisterten Impressionen nach Hause.

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Thomas Rolf
Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: "Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff."

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