Eine Nil-Kreuzfahrt zur Geschichte Ägyptens

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© WitR - shutterstock.com

Die Sonne begrüßt uns, als wir nach dem gut vierstündigen Flug mittags in Luxor landen. Schnell kommt der Stempel bei den Einreisebehörden in den Reisepass, dann geht es weiter mit klimatisierten Bussen zum Schiff. Die Kabine ist komfortabel eingerichtet, das Beste aber ist der Panoramablick durch die Glasschiebetüren auf das Niltal. Nachmittags gehen wir in die Stadt und durchstreifen die Souks. Interessant ist der Sh El Souk, in dem sich Ägypter mit Artikeln des täglichen Bedarfs eindecken.

Ausflug nach Karnak in Luxor

 

Am nächsten Morgen machen wir einen Ausflug nach Karnak. Im Reisepreis sind alle Ausflüge bis auf Abu Simbel enthalten, was die Kosten überschaubar macht. Nur 10 Gehminuten dauert der Weg vom Schiff bis hierher. Die beeindruckende Sphinx-Allee führt uns zum Eingang, dem so genannten „Pylon“. Angesichts der riesigen Gebäude fühlen wir uns klitzeklein. Das Zentrum der Anlage bildet der mittlere Bezirk mit einer Größe von ca. 30 Hektar, dessen Herzstück der Amun-Re-Tempel ist. Seit 2100 vC haben hier fast alle ägyptischen Könige gebaut, angebaut sowie umgebaut. Die berühmte Königin Hatschepsut ließ hier zwei Obelisken errichten, von denen einer noch heute steht: Der Monolith ist 29,56 Meter hoch und 323 Tonnen schwer. Das Highlight der Anlage bildet der Säulensaal mit seinen 134 Säulen von je 23 Metern imposanter Höhe, die in 16 Reihen angeordnet sind. Voll mit neuen Eindrücken kommen wir zurück auf das Schiff. Der Pool ist eine ideale Oase zum Entspannen. Am Nachmittag fahren wir in Richtung Edfu. Der Aufenthalt an der Schleuse von Esna wird zum Event, als fliegende Flusshändler kleine Päckchen an Bord werfen. Was man nicht behalten will, wird einfach zurück geworfen, das andere bezahlt man. Mit Händen und Füßen werden die Preise verhandelt und das Geld in einer Tüte zu den Händlern geworfen. Wir erstehen zwei Galabeas, die typischen langen Gewänder der Ägypter. Später werden wir sie noch brauchen. Abends erreichen wir Edfu.

Horus-Tempel in Edfu

Frühmorgens fahren wir mit einer Pferdekutsche zum Horus-Tempel. Was für ein Anblick: 65 Meter breit und 38 Meter hoch ist der Tempel, der dem Himmels- und Königsgott Horus gewidmet ist. Der Grundstein wurde im Jahr 237 vC von Euergetes I gelegt. Die Wände des hervorragend erhaltenen Tempels sind mit kunstvollen Reliefs bedeckt. Der riesige Pylon, die unvollendete Front des Tempels, ist mit 43,5 Metern Höhe und 113 Metern Breite der zweitgrößte nach Karnak. Auf dem Schiff zurück, legen wir mittags Richtung Kom Ombo ab. Wir genießen den Blick auf die traumhaften Fluss-Oasen am Nil und eine Pause im Pool. In Kom Ombo besuchen wir den Doppeltempel, der direkt am Nil liegt und zwei Sonnengöttern geweiht ist. Abends setzen wir die Fahrt in Richtung Assuan fort. Beim Folkloreabend an Bord bieten das „küssende Pferd“, der tanzende Derwisch und die Bauchtänzerin eine tolle Show.

Fahrt zum Assuan-Staudamm

Auf unserem Ausflug am nächsten Tag besichtigen wir zuerst den unvollendeten Obelisken. Mit einer Basis von 4,2 Metern im Quadrat, einer Länge von 41,75 Metern und einem Gewicht von 1.168 Tonnen wäre er der größte Obelisk der Antike gewesen. Wegen spät entdeckter Risse im Stein wurden die Arbeiten abgebrochen. Schade – aber beeindruckend ist der Anblick trotzdem.

Tempel nach Agilkia, einem Heiligtum, das ursprünglich auf der Nachbarinsel Philae lag. Im Zuge des Staudammbaus wäre er geflutet worden – hätte nicht die Unesco eine Rettungsaktion ins Leben gerufen. Das Heiligtum wurde in 37.363 (!) zwei bis 25 Tonnen schweren Blöcken abgetragen und auf der höher gelegenen Insel wieder aufgebaut. Heute steht es auf der Liste der Unesco Weltkulturerbestätten.

Letzter Stopp unseres Ausflugs ist der Assuan-Staudamm. Er staut den Nil zum 300 Kilometer langen Nassersee auf. Etwa 3,8 Kilometer lang ist der Damm. Der Stausee fasst zwischen 135 und 169 Milliarden Kubikmeter Wasser, ermöglicht eine kon-stante Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen und liefert Trinkwasser. Mit einer Turbinenleistung von insgesamt 2.100 Megawatt versorgt er außerdem die Menschen bis nach Kairo mit Strom. Nach dem Ausflug lassen wir uns abends durch die Straßen von Assuan treiben, wo ich ein paar wunderschöne silberne Kartuschen-Ohrringe erstehe.

Ausflug nach Abu Simbel

Am nächsten Morgen starten wir zum Ausflug nach Abu Simbel. Es gibt zwei Wege zum Ziel: entweder mit dem Bus quer durch die Wüste oder komfortabel mit dem Flugzeug. Auch hier ist der Anblick beeindruckend: König Ramses II ließ am Ufer des Nil zwei Tempel erbauen; einen großen für sich und einen kleinen für seine Gemahlin Nefertari. Beide wurden aus Felsen am Nilufer geschlagen. Hier, fernab von Theben, demonstrierte der Herrscher durch die riesige Anlage seine Macht. Ihre Rettung verdanken die beiden monolithischen Bauwerke ebenfalls dem Unesco-Hilfsprogramm: Die Tempel wurden in viele Stücke zersägt und anschließend wieder zusammengesetzt. Entgegen den Vorbehalten vieler Skeptiker glückte die Aktion. Gerade noch rechtzeitig vor dem Anstieg der Nilfluten konnten die Tempel abgetragen und 1968 nach ihrem Aufbau wieder eröffnet werden. Die Fassade des großen Tempels ist 33 Meter hoch und bildet den Pylon. Die aus dem Felsen herausgearbeiteten Figuren von Ramses II wirken trotz ihrer Größe grazil. Der südliche Teil des Tempels ist Amun-Re geweiht, der nördliche Teil Re-Harachte, den Hauptgöttern von Ober- und Unterägypten. Der kleine Tempel ist der Göttin der Liebe, Hathor, gewidmet. Abends gibt es auf dem Schiff einen Galabea-Abend. Wir kleiden uns in der hiesigen Tracht, die wir zu Anfang der Reise erstanden haben. Das Küchenteam präsentiert eine aus Schafskäse geschnitzte Sphinx auf dem Buffet. Ausgelassen tanzen wir zu ägyptischer Musik.

Kitchener Island

Am nächsten Tag setzen wir von Assuan aus mit Feluken, den typischen Segelbooten, auf Kitchener Island über und besuchen den botanischen Garten. Nachmittags nehmen wir unseren Tee im Old Cataract Hotel in Assuan, der „großen alten Dame“ unter den ägyptischen Hotels. Hier schrieb meine Lieblingsautorin Agatha Christie ihren Roman „Tod auf dem Nil.“ Wann kommt wohl Hercule Poirot um die Ecke?

Das Tal der Könige

Der sechste Tag führt uns wieder zurück zu unserem Ausgangshafen nach Luxor. Großes Finale am nächsten Tag: das Tal der Könige in Theben-West. Es ist die größte altägyptische Grabstätte. Das einsame, trockene, enge Tal liegt abgeschieden unterhalb des Berges Horn. Im Norden befinden sich die Grabkammern der Könige, im Süden die der Königinnen, dazwischen die Häuser der Arbeiter und Privatgräber. Die Gräber stammen aus der Zeit von 1550 bis 1050 vC. Auch das berühmte Grab des Tutenchamun besichtigen wir. Sein Eingang war nach der Plünderung eines Nachbargrabes verschüttet worden und blieb lange Zeit versteckt. So blieb es der Nachwelt mitsamt seiner Grabbeigaben vollständig erhalten. Der Archäologe und Maler Howard Carter entdeckte es nach mehreren erfolglosen Ausgrabungsversuchen am 06.11.1922. Beeindruckend präsentiert sich auch der Tempel der Hatschepsut in Deir el Bari. Die mächtige Pharaonin ließ sich den Totentempel ab etwa 1475 vC direkt an den Rand des Gebirgstales bauen. Aus zwei Terrassen besteht das Heiligtum. Absolut sehenswert im Tal der Könige sind auch die beiden je 18 Meter hohen Memnon-Kolosse, die einst einen Totentempel bewachten.

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Thomas Rolf
Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: "Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff."

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