Die Schiffstaufe – allzeit sichere Fahrt auf den Weltmeeren

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© Lukas Gojda - shutterstock.com

Die Schiffstaufe hat eine lange Tradition. Sie reicht bis zu den alten Griechen und Römern zurück und hat seitdem unterschiedliche Formen angenommen. Die Grundidee der Schiffstaufe ist der christlichen Kindstaufe entlehnt. Es geht darum, das Schiff vor Bösen Geistern, Seeungeheuern, Stürmen, dem Ende der Welt und vielen anderen Dingen zu beschützen. Die Gefahren waren für die Menschen früherer Jahrhunderte viel zahlreicher. Zum einen, weil sie abergläubischer waren und beispielsweise die Welt für eine Scheibe hielten. Zum anderen, weil sie nicht über eine so moderne und ausgeklügelte (Navigations-)Technik verfügten wie die Seeleute heutzutage.

Der Ablauf der Schiffstaufe

Für die Schiffstaufe wird eine Frau als Taufpatin gewählt. Das hat den Grund, dass es als böses Omen gilt, wenn ein Mann Taufpate ist. Die Patin hält bei der Schiffstaufe eine Ansprache. Das Thema ist frei wählbar, doch meistens handelt sie von dem Entstehungsprozess des Schiffes. Auch die Geschichte der Reederei und Anekdoten zum Auftraggeber können in die Rede einfließen. Anschließend wird eine Sekt- oder Champagnerflasche, die an einer Schnur befestigt ist, gegen den Schiffsrumpf geschleudert. Hierbei müssen bestimmte Redewendungen (u.a. „Hiermit taufe ich dich auf den Namen…“) genutzt werden. Später wird der Flaschenhals mit dem darin befindlichen korken abgenommen und der Taufpatin gezeigt. Hierdurch soll die Rechtmäßigkeit und Wirksamkeit der Taufe bestätigt werden.

Nach dem eigentlichen Taufvorgang wird das Schiff zu Wasser gelassen und tritt seine Jungfernfahrt an. Bei kleinen Schiffen und Ruderbooten wird auf das Zerschlagen einer Flasche an der Schiffswand verzichtet. Aus Sorge, das Boot durch die Flasche zu beschädigen, wird der Sekt stattdessen in einer feierlichen Zeremonie über die Reling gekippt. In anderen Kulturkreisen läuft die Taufe hingegen etwas anders ab. In Japan wird zum Beispiel ein Band zerschnitten, das das Schiff mit dem Land verbindet.

Die Deutung verschiedener Bräuche bei der Schiffstaufe

Die Schiffstaufe wird symbolisch als Geburt des Schiffes verstanden. So bringt die Taufpatin gemeinsam mit einem männlichen Getränk (DER Sekt, DER Champagner) das Schiff zur Welt. Das Band, das in Japan durchtrennt wird, kann als Nabelschnur verstanden werden. Anders als im Christentum dient die Taufe nicht der Einführung des Schiffes in die Gemeinschaft der Christen. Vielmehr geht es um eine offizielle Namensgebung des Schiffes. Schiffe sind nach ihrer Taufe übrigens durchweg weiblich. Das gilt selbst dann, wenn sie einen männlichen Namen wie „Seeadler“ bekommen. Das Schiff heißt dann „DIE Seeadler“. Auch weitere Symbole wie die Galionsfigur und die „Jungfernfahrt“ spielen auf Weiblichkeit an. Das liegt daran, dass früher ausschließlich Männer zur See gefahren sind und oft wochen- und monatelang keiner Frau begegnet sind. Eine weitere Bedeutung der Jungfernfahrt besteht darin, dass der Bauch des Schiffes bei der ersten Fahrt noch komplett leer ist. Es handelt sich somit symbolisch um eine Jungfrau.

Schiffstaufen mit kulturellen Unterschieden

Je nach Kulturkreis variiert die Art, ein Schiff zu taufen. So wird in islamischen Ländern beispielsweise kein Alkohol für die Schiffstaufe verwendet. Stattdessen kommt heiliges Wasser aus Mekka zum Einsatz. In Schottland wird demgegenüber Wert auf Whiskey als Taufflüssigkeit gelegt. In Frankreich darf die Taufpatin keinesfalls schwanger sein. Auch muss das Wort „lapin“ (frz. Kaninchen) sowohl bei der Taufe selbst als auch später von der Schiffsbesatzung unbedingt vermieden werden. In England darf die Taufpatin weder rote Haare haben noch ein grünes Kleid tragen. In Afrika wird hingegen keine Flasche gegen das Schiff geworfen. Stattdessen nimmt die Taufpatin einen großen Schluck Sekt und tauft das Schiff durch 5 Spritzer direkt mit dem Mund.

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Thomas Rolf
Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: "Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff."

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