Die Schätze Chinas – Spektakuläre Schluchten am langen, gelben Yangtse

0
300
chinesicher-mann-fischt-auf-fluss-bei-sonnenuntergang
© Tutti Frutti - shutterstock.com

Mit 6.418 Kilometern ist der Yangtse der längste Fluss Asiens. „Einmal sehen ist besser als tausendmal hören“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Nirgendwo kann man die Kultur und die Geschichte Chinas besser erleben als während der Fahrt mit einem schönen Schiff auf einem der interessantesten Flüsse der Erde, komprimiert auf 193 Kilometern!

Ideal, um auf dieser 14-tägigen Kombinations-Reise – im wahrsten Sinne des Wortes – herunterzufahren von der mehrtägigen Besichtigung spannender Highlights nach Ankunft in Peking. Wie der riesige Sommerpalast mit seinen 3.000 (!) Räumen – ein Spiegelbild kaiserlicher Lebensart. Vom Platz des Himmlischen Friedens, der beim Aufstand 1989 seinen Namen nicht verdiente, öffnet sich auch die Verbotene Stadt, die zu Zeiten der Kaiser der einfachen Bevölkerung verschlossen blieb. Heute ist sie UNESCO Welterbe, wie auch die Große Mauer, die mit 6.600 m Länge selbst vom All aus zu sehen sein soll. 13 von 16 Kaisern sind in den Ming-Gräbern 50 Kilometer außerhalb von Peking begraben.

Auf dem Fluss von Xian bis nach Chongqing

Der Flug nach Xian führt zur berühmten Terrakotta Armee, die dem ersten Kaiser Chinas, Qin Shi Huangdi (259 – 210 v. Chr.), ins Jenseits folgen sollte. Erst im Sommer 2012 haben Archäologen weitere hundert gut erhaltene Krieger ausgegraben und dem rund 8.000 Mann starken Heer hinzugefügt.

Von Xian bringt ein weiterer Flug die Reiseteilnehmer nach Chongqing, wo sie an Bord gehen. In Chongqing sollen übrigens die schönsten Mädchen Chinas leben. Das ständige treppauf, treppab in der Hügelstadt machte sie schlank und fit, heißt es.

Leinen los zur phantastischen Flussfahrt! Als schwimmende Plattform dient das komfortable Mittelklasseschiff MS Yangtse Victoria. 2001 wurde es in Dienst gestellt und 2010 gründlich renoviert. Seit 2006 fährt es in Vollcharter für Phoenix Reisen. Fünf Passagierdecks hat das 87,5 m lange und 14,5 m breite Schiff. Die 80 Kabinen für 160 Passagiere sind geräumig, mit Telefon und Flatscreen-TV und – mit Ausnahme von zwei Kabinen – mit einem kleinen Balkon ausgestattet.

Das Leben an Bord

Neben Chinesisch sind die Bordsprachen Englisch und Deutsch, so dass es bei den Vorträgen über Kultur und Geschichte Chinas keine Verständigungsschwierig-keiten gibt. Auch sonst wird viel für die Unterhaltung getan – abends finden Folklorevorführungen oder Modenschauen statt, Passagiere können das chinesische Brettspiel Mahjong lernen und sich in die chinesische Malerei einführen lassen. Die softe Bewegungsform Qi Gong soll Körper, Geist und Seele in Einklang bringen. Ein Fitnesscenter sorgt für den Abbau von den Kalorien der leckeren Mahlzeiten im Restaurant. An Bord befinden sich ein großzügiger Musiksalon mit Bar und ein Aussichtssalon, von dem man die vielschichtige Bergsilhouette am Flussufer bestaunen kann. Ein Wellnesscenter beherbergt Friseur, Beauty- und Massagesalon für fernöstliche Anwendungen. Ein Shop mit landestypischen Artikeln und ein Internetcafé runden das Bordangebot ab. In der Bücherei dürfen die Romane von Pearl S. Buck nicht fehlen, die über den Changjiang, wie der Yangtse in China heißt, einst schrieb: „Willkommen auf dem wildesten und schlimmsten Fluss der Welt“.

Auf dem wildesten Fluss der Welt

Auf jeden Fall ist der „schlimme“ Yangtse, der in Tibet entspringt, mit rund 6.300 Kilometern Länge nach Nil und Amazonas der drittlängste Fluss der Welt. Seit Menschengedenken lenken seine Wassermassen das Schicksal von Millionen Chinesen. Als Lebensader versorgt er Dörfer und Städte mit Gütern. Dschunken und Fähren, die schon bessere Zeiten gesehen haben, kreuzen den Weg der MS Yangtse Victoria. Inzwischen ging es dem großen Drachen, wie der „lange Fluss“ Jangtsekiang im Volksmund auch genannt wird, an den Kragen. Eine Manschette in Form des Staudamms hatte man ihm 2007 um den Hals gelegt, so dass er nicht mehr mit dem Schweif auf den Fluss peitschen und Hochwasser auslösen konnte.

Frisch gestärkt durch die gesunde chinesische Küche an Bord starten die Passagiere zu ihrem ersten Landausflug: Fengdu. Per Sessellift oder zu Fuß erreichbar ist die „Geisterstadt“ hoch auf dem Berg. Dort funkeln Dämonen mit den Augen, und Folterinstrumente lehren das Fürchten. Spiele und Orakel lassen Jahrmarktsstimmung aufkommen.

Eine der aufregendsten Strecken ist die Passage der Schluchten. Von Badong aus startet ein Ausflugsboot in den kleinen Nebenfluss Shennongxi mit seinen steilen Bergwänden. Dort steigen die Gäste zur „Bächleinfahrt“ um in kleine Boote, die entweder gerudert oder von Treidlern durch eine schmale Schlucht gezogen werden.

Zwischen Wasserfällen und Schluchten

Wieder auf der MS Yangtse Victoria, gleitet im Breitwandpanorama Qutang, die erste der drei Schluchten, vorbei. Fast werden die Erläuterungen des Reiseleiters von den tosenden Wasserfällen übertönt. Schroff erheben sich auch die Bergwände der zweiten Schlucht Wuxian bis zu 1.000 Meter hoch – ein unvergessliches Panorama! Obwohl der Wasserpegel um 40 Meter angehoben wurde, ist die Durchfahrt der drei Schluchten noch immer äußerst eindrucksvoll. Über die fünfstufige Schleusenpassage – ein Projekt der Superlative – gelangt das Schiff schließlich bis zum Ende der letzten und längsten Schlucht Xiling, wo sich der imposante Staudamm erhebt.

In Yueyang lohnt sich der Landausflug zum gleichnamigen 20 Meter hohen Turm, der seit seiner Erbauung 716 n. Chr. bis zum Jahr 1880 insgesamt 32-mal zerstört und immer wieder neu errichtet wurde. Noch höher, nämlich 51 Meter, ist der Gelbe Kranich Turm in Wuhan. Die fünfstöckige Pagode aus dem Jahr 1223 zählt zu den vier berühmtesten Sehenswürdigkeiten Chinas und bietet einen phantastischen Ausblick.

Jiujiang

Als nächstes legt das Schiff in Jiujiang an, bekannt für den großzügig angelegten Lushan-Landschaftspark. Von dort führt ein Ausflug in die Hauptstadt des Porzellans – Jingdezhen. In Nanjing am Fuße der Purpurberge lohnt sich neben dem Besuch des Mausoleums von Dr. Sun Yat-sen, dem Vorkämpfer der chinesischen Revolution, und des Volksmuseums auch der quirlige Konfuziusmarkt, wo man so manches Souvenir findet.

In Shanghai verabschieden sich die Reisenden vom langen Fluss. Die Stadt der berühmten Romanfigur der Suzie Wong ist eine Mixtur aus gestern und morgen. Von der Blütezeit eines vergangenen Jahrhunderts zeugen alte Kolonialbauten, während sich gegenüber der Hafenpromenade „Bund“ die futuristische Skyline der Mega-Metropole zeigt. Nur das alte Peace-Hotel beschwört noch die Erinnerung an die verruchten zwanziger und dreißiger Jahres des vergangenen Jahrhunderts. Erholung von der atemlosen Geschäftigkeit der City finden Besucher im Yu-Garten bei der Altstadt von Shanghai, der nach der chinesischen Lehre Feng Shui über die Ausgeglichenheit von Wasser, Wind und Licht ausgerichtet wurde. Der Begriff „Zeit“ verliert hier seine Bedeutung. Zeit, die hier so träge dahinzieht wie das gelbe Wasser auf dem großen, langen Fluss.

Teilen
Thomas Rolf
Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: "Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff."

Kommentieren Sie den Artikel

*