Bootsführerschein

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bootsfuererschein boot in fahrt beim sonnenuntergang
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Wer auf der Kreuzfahrt Seeluft geschnuppert hat, spielt vielleicht auch mit dem Gedanken, einmal selbst Kapitän zu werden und ein eigenes Boot zu steuern. Der nächste Kreuzfahrt-Urlaub liegt vielleicht noch in weiter Ferne – umso besser lässt sich die Zeit überbrücken, indem die Wasserstraßen hierzulande oder die Nord– und Ostsee auf eigene Faust erkundet werden. Ein Tagesausflug mit dem eigenen Boot auf dem Rhein oder eine Tour entlang der Nordseeküste, mit einem Bootsführerschein ist das problemlos möglich. So können Sie auch selbst das einzigartige Gefühl genießen, über das Wasser zu gleiten, und sich ein kleines Stück Kreuzfahrt-Feeling nach Hause holen. Wir haben alles Wissenswerte rund um den Bootsführerschein für Sie zusammengefasst.

Wobei handelt es sich um den Bootsführerschein und wo ist er gültig?

Mit dem Bootsführerschein ist der in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Sportbootführerschein gemeint, der mit dem Geltungsbereich Binnenschifffahrtsstraßen und/oder Seeschifffahrtsstraßen ausgestellt wird. Zu den Binnenschifffahrtsstraßen gehören alle Bundeswasserstraßen mit Ausnahme der Elbe im Hamburger Hafen. Die Seeschifffahrtsstraßen umfassen das Küstengebiet an Nord- und Ostsee (bis zu drei Seemeilen) sowie den Nord-Ostsee-Kanal und Teile der Ems, Weser und Elbe. Gefahren werden dürfen motorisierte Sportboote, das bedeutet nicht gewerbsmäßig betriebene Fahrzeuge für Sport- und Erholungszwecke. Der Sportbootführerschein mit dem Geltungsbereich Binnenschifffahrtsstraßen gilt für Sportboote mit weniger als 15 Metern Länge auf dem Rhein sowie für Sportboote mit bis zu 20 Meter Länge auf allen anderen Bundeswasserstraßen, jeweils gemessen ohne Bugspriet und Ruder. Auf den Seeschifffahrtsstraßen dürfen hingegen Sportboote ohne Längenbegrenzung gefahren werden. Wer auf den Schifffahrtsstraßen ein Sportboot mit Antriebsmaschine führen möchte, sei es auf den Flüssen oder auf See, benötigt eine solche Fahrerlaubnis.

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Besondere Regelungen und Ausnahmen

Eine Fahrerlaubnis wird auf den Binnen- und Seeschifffahrtsstraßen nicht benötigt, wenn das Sportboot mit einer Antriebsmaschine ausgerüstet ist, deren Nutzleistung maximal 11,03 Kilowatt beträgt. Dann darf ein solches Boot ohne Führerschein gefahren werden. Gleiches gilt auf dem Rhein, wenn das Sportboot eine Nutzleistung von 3,68 Kilowatt nicht überschreitet.

Voraussetzungen zum Erlangen des Bootsführerscheins

Für die Erteilung der Fahrerlaubnis müssen mehrere Anforderungen erfüllt sein. Hierzu gehören:

  • Mindestalter von 16 Jahren für das Führen eines Sportbootes mit Antriebsmaschine
  • Körperliche und geistige Tauglichkeit (Nachweis durch ärztliche Bescheinigung)
  • Zuverlässigkeit (keine Verurteilungen oder geahndete Zuwiderhandlungen im Schiffsverkehr; KFZ-Führerschein oder Führungszeugnis)
  • Nachweis der erforderlichen Befähigung durch erfolgreich bestandene Prüfung
  • bei Minderjährigen: Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten

Wie kann ich den Bootsführerschein machen?

Um den Bootsführerschein zu erlangen, muss eine schriftliche und praktische Prüfung erfolgreich absolviert werden. Im Bereich Binnenschifffahrtsstraßen umfasst die Theorie-Prüfung Basisfragen zum Schifffahrtsrecht, zur Seemannschaft und allgemeinen Wetterkunde sowie spezielle Fragen zu den Wasserstraßen. Der Fragenkatalog besteht aus 72 Basisfragen und 181 speziellen Binnenschifffahrts-Fragen. Bei der 45-minütigen Prüfung muss ein Satz Prüfungsfragen mit Multiple-Choice-Antwortmöglichkeiten bei maximal sechs Falschantworten richtig beantwortet werden. Die praktische Prüfung setzt sich aus verschiedenen Manövern, der Vorführung seemännischer Knoten und dem Fahren von unterschiedlichen Kursen zum Wind zusammen.

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Im Bereich Seeschifffahrtsstraßen gehören zur Theorie-Prüfung Aufgaben aus dem Wissensgebiet der Navigation, Kollisionsverhütung, Seemannschaft, Wetterkunde, Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, Fahrzeugführung und Umweltschutz. In der praktischen Prüfung müssen ebenfalls Kenntnisse aus der Knotenkunde nachgewiesen und das Fahren von Manövern absolviert werden. Das theoretische Wissen wird praktisch auf dem Boot überprüft. Die beiden Teilprüfungen Praxis und Theorie können jeweils zusammen oder separat sowie an unterschiedlichen Orten abgelegt werden. Auch das Ablegen der Prüfung im Ausland ist möglich, sowohl beim Sportbootführerschein See als auch Binnen.

Wo kann ich den Führerschein machen?

Die Prüfungen zum Sportbootführerschein können sowohl in Deutschland als auch im Ausland absolviert werden. Hierzulande wird die Prüfung von einem Prüfungsausschuss des Deutschen Motoryachtverbandes e.V. oder des Deutschen Segler-Verbandes e.V. abgenommen. Um sich die erforderlichen Kenntnisse anzueignen, bietet sich ein Bootskurs an, der meist an unterschiedlichen Kursterminen in Form eines Wochenendkurses oder einer Ferienfahrschule stattfindet. Die nächstgelegene Yacht- oder Bootsfahrschule ist dann die erste Wahl, wenn sie zu den anerkannten Ausbildungsstätten einer der beiden Verbände gehört. In diesem Fall werden einem dort die nötigen Kenntnisse zum Erwerb des Bootsführerscheins vermittelt. Dies umfasst das Einüben von Knoten und Manövern bis zur Prüfungsreife sowie die Vermittlung der theoretischen Grundlagen. Nach dem Kurs muss zum Ablegen der Prüfung eine Anmeldung bei einem regionalen Prüfungsausschuss erfolgen. Ein Verzeichnis der anerkannten Bootsschulen, die in ganz Deutschland verteilt liegen, wird von den beiden Verbänden zur Verfügung gestellt.

Wie viel kostet ein Bootsführerschein?

Die Kosten für den Bootsführerschein umfassen zum einen die Prüfungsgebühren, die der jeweilige Verband bei der Absolvierung der Prüfung erhebt. Diese liegen bei rund 100 bis 110 Euro, ohne eine eventuell notwendige Nachprüfung, die extra zu Buche schlägt. Hinzu kommt der meist deutlich höhere Posten der Kursgebühren, die von der Bootsfahrschule erhoben werden und auch Kosten für die Unterkunft und Verpflegung beinhalten. Für einen solchen Kurs müssen ohne Lehrbücher und Lehrmaterialien bis zu 500 Euro oder mehr einkalkuliert werden. Im Einzelfall ist dies immer vom jeweiligen Ausbildungsort und der Kursdauer abhängig. Neben den Kursen in Deutschland werden häufig auch Lehrgänge im Ausland angeboten, an denen Boots-Neulinge dann während des Sommerurlaubs teilnehmen können. Dementsprechend muss allerdings mit deutlich höheren Kosten gerechnet werden. Je nach Angebot der Bootsfahrschule sind die Prüfungsgebühren bereits im Gesamtpreis des Kurses enthalten.

Internationale Gültigkeit

Wer im Ausland mit dem Boot über die Meere schippern möchte, muss beachten, dass der Sportbootsführerschein See als „nationale“ Erlaubnis keine Gültigkeit im Ausland hat. Zugleich umfassen aber alle Bootsführerscheine ein Internationales Zertifikat, das durch die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen eingeführt wurde. Mit dieser dritten Innenseite, um die der Führerschein erweitert wird, können Führer von Sportbooten ihre Qualifikation im Ausland belegen. Wer sich kein Boot ausleihen, sondern mit dem eigenen Boot im Ausland fahren bzw. von Deutschland aus mit dem Boot ins Ausland reisen möchte, sollte an den Internationalen Bootsschein für Wassersportfahrzeuge (IBS) denken. Dieses in ganz Europa anerkannte Bootsdokument, sozusagen der Ausweis des Bootes, dient als Eigentumsnachweis und Reisedokument. Der IBS enthält unter anderem Angaben zum Eigner, den Abmessungen und Merkmalen des Bootes sowie der Motorisierung.

Fakten zum Bootsführerschein im Überblick

Gültigkeitsbereich Deutschland: See und/oder Binnen
Anforderungen Theoretische und praktische Prüfung
Kosten Prüfungsgebühren 100 bis 110 Euro, Kosten für Bootsschule/Kurs bis zu 500 Euro und mehr
Wo kann ich die Prüfung ablegen? Vor einem deutschen Prüfungsausschuss oder im Ausland
Internationale Gültigkeit Durch Internationales Zertifikat als Teil des Führerscheins
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Melanie Pigorsch
Seit vielen Jahren berät Melanie Pigorsch Ihre Kunden, wenn es um die schönste Zeit des Jahres geht. Seit ihrem Start in der Touristik schlägt Ihr Herz für Kreuzfahrten. Neben den am meisten nachgefragten Kreuzfahrten von AIDA und TUI Cruises, kennt sich Melanie Pigorsch auch bestens im Segment der internationalen Reedereien aus und ist dabei besonders angetan von den Schiffen von Cunard und Holland America.

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