Blohm und Voss

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Blohm und Voss – eine Werft mit langer Tradition

Die Blohm und Voss Werft ist Hamburgs letzte Großreederei. Aus finanztechnischen Gründen wurde das Unternehmen mit Hauptsitz am südlichen Ufer der Norderelbe in Steinwerder 1996 in drei eigenständige Sparten aufgeteilt. Die Blohm und Voss Shipyard GmbH ist für den Schiffbau zuständig, die Blohm und Voss Repair GmbH hat sich auf die Instandsetzung von Schiffen spezialisiert, bei der Blohm und Voss Industries GmbH handelt es sich um den Bereich Maschinen- und Anlagenbau.

In der wechselvollen Historie gab es verschiedene Anteilseigner, so wurde die Blohm und Voss Werft 1955 zu 50 Prozent an die Phoenix Rheinrohr AG veräußert, die zum Thyssen Konzern gehörte. 1967 kaufte sich Siemens ein. Ab 2005 unterstand das Unternehmen der Thyssenkrupp Marine Systems. Schließlich scheiterte der Verkaufsversuch der drei Sparten Shipyard, Repair und Industries an die arabische Abu Dhabi MAR im Jahr 2009. 2011 stimmte Thyssenkrupp einer Übernahme durch die Bremer Lürssen-Werft und den englischen Finanzinvestor Star Capital Partners zu. Star Capital wiederum verkaufte die Blohm und Voss Industries GmbH 2013 an die schwedische SKF-Gruppe.

Aktuell baut die Traditionswerft unter der Leitung von Thyssenkrupp mit dem Label Blohm und Voss Naval Boote für die Kriegsmarine sowie im Zivilbereich unter der Marke Blohm und Voss Shipyards überwiegend Großjachten.

Geschichte der Großwerft

Als die Ingenieure Hermann Blohm (1848-1930) und Ernst Voss (1842-1920) am 05. April 1877 die offene Handelsgesellschaft Schiffswerft und Maschinenfabrik Blohm + Voss gründeten, ahnten sie sicherlich nicht, dass sich das Unternehmen zur größten Reederei Deutschlands entwickeln würde. 15.000 Quadratmeter Grund in Kuhwärder (Kuhwerder) pachteten die Herren vom misstrauischen Hamburger Senat. Die Aufträge kamen zögerlich, da die Hamburger Reedereien traditionell ihre Schiffe in England orderten.

Aus der Not eine Tugend machend, bauten Blohm und Voss auf eigene Kosten die Bark Flora (Stapellauf 07. September 1880), einen hochseefähigen, mehrmastigen Segelfrachter, den sie an die Hamburger Reederei M. G. Amsinck veräußerten. Beim ersten Fremdauftrag, den die Herren akquirierten, handelte es sich um den kleine Raddampfer Elbe (Stapellauf 31. Mai 1879), es folgte der Auftrag zum Bau des Frachtdampfers Burg (Stapellauf 10. Mai 1879). Doch auch mit dem Eingang weiterer Aufträge entspannte sich die Situation nicht. So entschlossen sich die jungen Unternehmer, zwei weitere Schiffe auf eigene Kosten herzustellen, die Rosario (Stapellauf 16. April 1881) und die Professor Woermann (05. April 1882). Diese beiden Fracht- und Fahrgastschiffe verkauften sie an Hamburg Süd sowie die Woermann-Linie.

Großwerft verbesserte die wirtschaftliche Lage

Überdies verbesserte der Bau eines Schwimmdocks, der neben dem Schiffbau auch Reparaturen ermöglichte, die wirtschaftliche Lage Ende des 19. Jahrhunderts in nicht unerheblichem Maße. Mit Order für die SMS Kaiser Karl der Große und für den kleinen Kreuzer SMS Conder erhielt die Reederei Zutritt zur Kaiserlichen Marine. Das Unternehmen konnte sich im Laufe der Zeit mithilfe von Anschlussaufträgen als Hauptwerft für Schlachtkreuzer etablieren. Die beiden Weltkriege überlebte Blohm und Voss durch den Bau von Kriegsschiffen.

Die britische Militärverwaltung schloss die Werft zum 31. Dezember 1945, ab 1946 erfolgte die Demontage für die vertraglich vereinbarten Reparationsleistungen. Erst acht Jahre nach der Stilllegung, 1953, erhielt Blohm und Voss die Erlaubnis, wieder Schiffe zu reparieren, ab 1954 konnte sie den Schiffbau erneut aufnehmen.

Umbauten und Erweiterungen

1882 entstand das erste Schwimmdock, im Jahr 1887 planten die beiden Jungunternehmer den Ausbau und beantragten bei der Stadt Hamburg eine Erweiterung des Werftgeländes. 1897 folgte ein weiteres Schwimmdock, 1908 besaß die Werft entlang einer Strecke von drei Kilometern Wasserfront 560.000 m² Grund und mit Dock 5, das eine Hebekraft von mehr als 46.000 Tonnen aufwies, das größte Schwimmdock der Welt.

1927 gehörten zu Blohm und Voss bereits zwei unterschiedliche Helgenanlagen, zwei Maschinenfabriken sowie sieben Schwimmdocks und eine eigene Werftschule. Es folgte 1942 das Trockendock Elbe 17 mit 351 Metern Länge, heute eines der größten Trockendocks Europas. Gebaut hatte das beeindruckende Dock das Oberkommando der Marine und für den Bau von Kriegsschiffen an die Reederei verpachtet. Eine Vielzahl von Erweiterungen und Umbauten der Docks begleitete die Geschichte der Werft, sodass heute ein nicht unerheblicher Anteil des Hamburger Hafens von Blohm und Voss geprägt ist.

Ablieferung Name Bau-nummer BRZ Auftrag-geber Weiteres
23. Feb. 1892 Condor 82 1.612 Kaiserliche
Marine
Kleiner Kreuzer, 1921 abgewrackt
18. Okt. 1899 Kaiser Karl der Große 136 11.097 Kaiserliche
Marine
Linienschiff, 1920 abgewrackt
15. Dez. 1899 Potsdam 139 12.606 Holland-
America Line
Passagierschiff, 1944 versenkt
21. Juni 1902 Friedrich Carl 155 9.087 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, 1914 gesunken
3. März 1903 Petschili 165 3.087 F. Laeisz Viermastbark,
1919 gestrandet
14. Mai 1904 Yorck 167 9.533 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, 1914 gesunken
29. Juli 1905 Pamir 180 3.020 F. Laeisz Viermastbark,
1957 gesunken
22. März 1906 Scharnhorst 175 11.616 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, 1914 versenkt
5. Okt 1907 Dresden 195 3.664 Kaiserliche
Marine
Kleiner Kreuzer, 1915 versenkt
20. März 1909 Von der Tann 198 19.370 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, 1919 in Scapa
Flow versenkt
7. April 1910 Moltke 200 22.979 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, 1919 in Scapa
Flow versenkt,
1927 gehoben, 1929 in Rosyth abgewrackt
25. Februar 1911 Peking 205 3.100 F. Laeisz Viermastbark, Museumsschiff in New York
28. März 1911 Goeben 201 22.979 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer,
nach 1973 abgewrackt
30. März 1912 Seydlitz 209 24.998 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, 1919 in Scapa
Flow versenkt,
1928 gehoben, 1930 in Rosyth abgewrackt
14. März 1913 Derfflinger 213 24.998 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, 1919 in Scapa
Flow versenkt
3. April 1913 Vaterland 212 54.282 HAPAG Passagierschiff, 1938 abgewrackt
20. Juni 1914 Bismarck 214 56.551 HAPAG Passagierschiff (Imperator-
Klasse), später als Majestic, 1940 abgewrackt
5. Okt 1916 Cöln 247 5.620 Kaiserliche
Marine
Kleiner Kreuzer, 1919 in Scapa
Flow versenkt
21. Okt. 1916 Pola 233 3.104 F. Laeisz Viermastbark,
1933 abgewrackt
17. April 1917 Mackensen 240 31.000 Kaiserliche
Marine
Großer Kreuzer, nicht fertiggestellt
23. Juni 1917 Priwall 234 3.105 F. Laeisz Viermastbark,
1945 in Brand geraten und gesunken
16. Dez. 1922 Albert Ballin 403 20.815 HAPAG Passagierschiff, 1981 abgewrackt
14. Mai 1927 Cap Arcona 476 27.561 Hamburg
Süd
Passagierschiff, 1945 versenkt
25. Aug. 1927 Monte Cervantes 478 14.140 Hamburg
Süd
Passagierschiff (Monte-Klasse), 1930 gesunken
15. Aug. 1928 Europa 479 49.476 Nord-
deutscher
Lloyd
Passagierschiff, 1962 abgewrackt
20. Feb. 1929 Milwaukee 483 16.699 HAPAG Passagierschiff, 1947 abgewrackt
28. Feb. 1931 Savarona 490 4.581 E.R.
Cadvalader
Motoryacht
3. Mai 1933 Gorch Fock 495 1.354 Reichsmarine Dreimastbark (Gorch-Fock-Klasse), Museumsschiff in Stralsund
15. Dez. 1934 Grille 500 2.560 Reichsmarine Aviso, 1951 abgewrackt
13. Juni 1936 Horst Wessel 508 1.634 Reichsmarine Dreimastbark (Gorch-Fock-Klasse), als
Eagle Segelschulschiff
der USCG
6. Feb. 1937 Admiral Hipper 501 14.050 Kriegsmarine Schwerer Kreuzer, 1945 im Dock gesprengt
5. Mai 1937 Wilhelm Gustloff 511 25.484 KdF Passagierschiff, 1945 versenkt
30. Okt. 1937 Albert Leo Schlageter 515 1.634 Reichsmarine Dreimastbark (Gorch-Fock-Klasse), als
Sagres Segelschulschiff
der Marinha Portuguesa
22. Sept. 1938 Mircea 519 1.634 Reichsmarine Dreimastbark (Gorch-Fock-Klasse), Segelschulschiff
der rumänischen Marine
14. Feb. 1939 Bismarck 509 45.950 Kriegsmarine Schlachtschiff,
1941 versenkt
7. Nov. 1939 Herbert Norkus 524 1.634 Reichsmarine Dreimastbark (Gorch-Fock-Klasse), nicht fertiggestellt
24. Aug. 1940 Vaterland 523 41.000 HAPAG Passagierschiff
mit turboelektrischem Antrieb, nicht fertiggestellt,
nach 1945 abgebrochen
1. Feb. 1955 Wappen von Hamburg 786 2.496 HADAG Passagierschiff,
wird in San Francisco
restauriert
26. Okt. 1955 Nordstjernen 787 2.191 Det
Bergenske Dampskibs-
selskab
Passagierschiff
19. April 1956 Ragnvald Jarl 789 2.196 Norden-
fjeldske Dampskibs-
selskab
Passagierschiff, Schulschiff
23. Aug. 1958 Gorch Fock 804 1.634 Deutsche Marine Dreimastbark (Gorch-Fock-Klasse),
Schulschiff der deutschen Marine
25. Jan. 1975 Adrian Mærsk 881 26.939 A. P. Møller-Mærsk Containerschiff, Typschiff (sechs Schiffe)
3. Sept. 1980 Rheinland-Pfalz 911 3.680 Deutsche Marine Fregatte (Bremen-Klasse)
1989 Corsair 170 t Verdrängung Auf eigene Rechnung Luftkissen-katamaran Versuchsschiff
25. Mai 1990 Golden Odyssey 957 Euroyachts Ltd. Mega-Yacht
31. Mai 1990 Lady Moura 954 6.359 Silver Dunes Ltd. Mega-Yacht
20. Aug. 1991 ECO 956 Azteca 90 Ltd. Mega-Yacht
28. Aug. 1992 Brandenburg 950 4.900 Deutsche Marine Fregatte (Brandenburg-Klasse)
14. Juli 1999 Grand Voyager 961 24.391 Royal Olympic Cruise Lines Kreuzfahrtschiff, Fast Monohull
20. Jan. 2001 Sachsen 5.600 Deutsche Marine Fregatte (Sachsen-
Klasse)
9. Dez. 2004 Cosco Brisbane 964 27.915 COSCO Containerschiff
12. Juni 2009 Eclipse 978 Roman Arkadjewitsch Abramowitsch Mega-Yacht
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Jacqueline Werzinger
Vor Ihrem Start bei der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale sammelte Jaqueline Werzinger Ihre ersten Kreuzfahrt-Eindrücke in der Zentrale von AIDA in Rostock. Kein Wunder also, dass sie Feuer und Flamme für die Schiffe mit dem Kussmund ist. Unzählige Reisen hat sie bereits persönlich an Bord dieser Schiffe verbracht und kennt so auch den ein oder anderen Geheimtipp für den Urlaub an Bord. Neben Ihrem Wissen im Hochseebereich entdeckt die ausgewiesene Kreuzfahrt-Expertin auch immer mehr die Faszination der Flusskreuzfahrten.

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