Die Arktis – glitzernd, faszinierend, einzigartig

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© Katiekk - shutterstock.com

Keine Palmenstrände. Kein mediterranes Sonnenklima. Kein kuschelwarmes Türkismeer. Dafür singende Eisberge, kalbende Gletscher, blühende Tundra, sprühende Geysire und heiße Quellen. Nein, die Region unter dem Sternbild des Großen Bären gehörte bislang nicht zu den typischen Sehnsuchtszielen. Doch immer mehr Menschen träumen von einer Reise in die Arktis mit ihrer eigenwilligen Natur und den faszinierenden Landschafts-Kontrasten. Island, Grönland, Spitzbergen, Kanada – wir sagen Ihnen, was Sie erwartet.

Island

„Perle im Nordmeer“, „Insel aus Feuer und Eis“ – Island hat viele Namen. Und alle treffen ins Schwarze. Das wird schon in Reykjavik deutlich. Das bunte Häusermeer der nördlichsten Hauptstadt der Welt breitet sich malerisch zwischen Meer und Bergen aus. In Ausflugsnähe liegen spektakuläre Natur-Schönheiten: die Blaue Lagune, ein himmelblaues, schwefelhaltiges Natur-Schwimmbad; der Pingvellir-Naturpark, durch den die Trennungslinie der Kontinentalplatten Amerika und Europa verläuft, die Gulfoss-Wasserfälle und vieles mehr.

Eine beinahe mystische Atmosphäre empfängt Besucher auf Heimaye, der einzigen bewohnten Insel des Westmänner Archipels. Steile Klippen, Riffs, Kliffhöhlen und der Eldfjell-Vulkan, der 1973 das letzte Mal ausbrach, bestimmen das Inselbild. Bekannt ist die Vulkaninsel auch wegen ihrer Seevögelkolonien.

Kennen Sie den Snaefellsjökull? Bestimmt! Der 1446 Meter hohe Vulkan mit Gletschermütze stand Pate für Jules Vernes Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Ausgangspunkt für einen Besuch des Gletschers ist der Hafen Grundarfjördur am Ende eines malerischen Fjords. Über den nördlichsten Punkt Islands, die Insel Grimsey, geht die Reise nach Akureyri. Von dort aus können Besucher einige der wichtigsten Natursehenswürdigkeiten im Norden Islands erkunden, z. B. den Myvatn-See, der mit seinen Lavagebilden wie verzaubert aussieht.

Grönland

Es ist die größte Insel der Welt. Aber von den 2.175.600 Quadratkilometern sind rund 85 % mit Eis bedeckt, das stellenweise – unvorstellbar! – bis zu 3000 Meter dick ist. Die schönsten „Einsteiger“-Touren für Grönland-Urlauber führen mit dem Schiff entlang der Westküste, die von großen Fjorden und Schären geprägt ist. Die meiste Zeit des Jahres bestehen hier gute Chancen, vor der Küste Robben und Wale zu sehen, denn wegen des Golfstromes friert das Meer im Winter nicht zu. In Westgrönland liegt auch Nuuk, die kleinste Hauptstadt der Welt (16.000 Einwohner). Wunderschön ist der Blick vom Schiff auf die Stadt am Eingang des Nuuk-Fjords: bunte Häuschen, hineingetupft in eine grüne Landschaft vor eindrucksvoller Bergkulisse.

Auch Sisimiut bietet das typisch grönländische Siedlungsbild: kunterbunte Häuser auf einem sanft hügeligen Rasenteppich. Dahinter, steil und eindrucksvoll, der 784 Meter hohe Nasaasaaq. Sehenswert: das kulturhistorische Museum in einem hübschen Kolonialbau in Hafennähe. Originelle Mitbringsel und Andenken finden Urlauber in einer kleinen Werkstatt nahe dem Pier, wo Kunsthandwerker grönländischen Schmuck aus Knochen, Leder und Metall fertigen.

Unser nächstes Ziel: das Städtchen Ilulissat in der Discobucht. Dick eingemummelt stehen die Kreuzfahrtpassagiere an Deck, bestaunen die gigantischen Eisformationen in der Fjordmündung, die im klaren Licht der nordischen Sonne hellblau, türkis, dunkelblau oder kristallklar schimmern. Die malerische surreale Eislandschaft des Ilulissat-Fjords gehört seit 2004 zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Als adrenalinhaltiges Abenteuer bleibt eine Hundeschlitten-Fahrt in Erinnerung, wie man sie nördlich von Sisimiut und an der Ostküste Grönlands machen kann. Warm eingepackt in Robbenpelze, sitzen die Teilnehmer auf Rentierfellen. Klingt gemütlich, doch das täuscht. Denn die zehn bis 15 Hunde, die zusammen einen Schlitten ziehen, jagen in beachtlichem Tempo durch die weiße Wunderlandschaft, mal über Hügel und Fjelle, mal über das ebene Fjordeis, vorbei an wahnwitzigen Eiskolossen. Und die einzigen Geräusche – das Keuchen der Hunde und die energischen Kommandos der Schlittenführer (ili, ili, ili für rechts und iu, iu, iu für links) – tragen auch nicht gerade zur Entspannung bei.

Unser letzter Hafen ist Qaanaaq, was soviel heißt wie „Der hohe Norden“. In der am nördlichsten gelegenen natürlichen Siedlung der Welt starteten einst berühmte Polarforscher wie Rasmussen ihre Expeditionen. Die Mitternachtssonne scheint hier vom 25. April bis zum 18. August. Zeit für einen grönländischen „Sundowner“, ein Whisky on the Rocks. Die Rocks bestehen aus echtem, Jahrtausende altem Gletschereis und knacken leise, wenn sich Luftblasen auflösen. Kasugta, Prost!

Kanada

Eine Grönland-Expedition lässt sich auch wunderbar mit Kanada verbinden. Und zwar kreuzt das Schiff nach seiner Route entlang der grönländischen Westküste von Thule aus die Baffin Bay nach Nunavut, die Heimat der kanadischen Inuits. Vom Inuit-Dorf Pond Inlet geht die Fahrt in Richtung Süden durch spektakuläre Fjorde. Im Spätsommer und Herbst ist die Chance groß, in der Isabella Bay Grönlandwale zu sehen. Eisbären und Robben sind hier fast das ganze Jahr zuhause.

Spitzbergen

Eisberge treiben langsam durch das Polarmeer. Dunkle Felsen stechen schroff aus dem Wasser. Eisige Kälte lässt den Atem fast gefrieren. Nein, gemütlich geht anders. Aber das Thermometer steigt in Spitzbergen nun mal selbst im Juli nur selten über sieben Grad Celsius. Doch mit der richtigen Kleidung (Fleece-Pullover, Gore-Tex-Jacke, etc.) und dem Abenteuer-Gen im Blut ist der Besuch auf der Insel ein unvergessliches Erlebnis. Machen Sie sich gefasst auf spektakuläre Fjorde an der West- und Nordwest-Küste und auf hochalpine Berg- und Gletscherwelten im Nordosten. Freuen Sie sich darauf, Eisbären in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können, Rentieren zu begegnen und Wale zu sehen.

Ausgangspunkt fast aller Spitzbergen-Entdeckertouren ist Longyearbyen an der Westküste. In Richtung Süden verläuft die Route bis zum 25 Kilometer langen Hornsund-Fjord. Wahnsinn, an Deck zu stehen und die glitzernde Bergwelt an sich vorbeiziehen zu lassen! In nördlicher Richtung liegt der Kongsfjord mit vielen kleinen Inselchen. Faszination pur die Landschafts-Vielfalt: blühende Tundra-Ebene und Bergformationen mit überwältigenden Gletschern, die ins Meer kalben. Und auf dem 78. Breitengrad liegt Ny Ålesund, die nördlichste ständig bewohnte Siedlung der Welt mit Forschungsstationen vieler Länder. Hunderttausende von Seevögeln gibt es hier, darunter Eissturmvögel, Dreizehenmöwen, Papageientaucher und Dickschnabellummen. Sie trotzen der Kälte – auch ohne Gore-Tex-Jacke.

Highlights

  • Jedes Jahr im März findet in Nuuk das Schneeskulpturfestival statt, zu
    dem Teilnehmer aus vielen Ländern anreisen. Faszinierend, was
    unter den Händen der Künstler aus dem Gletschereis entsteht!
  • Die gastfreundlichen Inuit laden Besucher gern zum „Kaffeemik“
    ein. Dazu sollte man wissen, dass Gäste vor dem Eintritt ins Haus die
    Schuhe ausziehen. Nach ein oder zwei Tassen Kaffee ist der Besuch
    normalerweise beendet. Sicher freut sich der Gastgeber, über ein
    „Danke“ in seiner Sprache: „qujanaq“.
  • Der Strokkur-Geysir auf Island bietet alle paar Minuten ein perfektes
    Naturschauspiel: zuerst grummelt und blubbert es unter der Erdober-
    fläche, dann wölbt sich langsam eine türkisblaue Wasserglocke aus
    dem Boden, wird größer und größer, zischt, dampft und explodiert
    schließlich zu einer bis zu 20 Meter hohen Fontäne. Gigantisch!
  • Vom russischen Murmansk aus fahren Eisbrecher in 14-tägigen
    Touren zum Nordpol. Wenn die Wetterbedingungen es zulassen,
    können Sie auf 90° 00’00, dem nördlichsten Punkt der Erde, den bis-
    lang nur wenige Menschen betreten haben, ein paar Schritte auf dem
    Eis machen. Garantiert ein erhebendes Gefühl!
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Thomas Rolf
Den Entdeckergeist hat Thomas Rolf vor vielen Jahren bei sich entdeckt. Schon in der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann Anfang der 90er Jahre haben es ihm insbesondere Kreuzfahrten angetan. Heute ist er quasi ein wandelndes Lexikon, wenn es um Reisen auf dem Wasser geht. Der heutige Geschäftsführer der Astoria Kreuzfahrten-Zentrale selbst favorisiert das Mittelmeer für seine persönliche Kreuzfahrten: Und dies aus ganz einfachen Gründen: "Es gibt viele traumhafte Orte zu entdecken und in zweieinhalb Stunden Flugzeit ist man auf dem Schiff."

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